FAZ: „Ultraschall-Festival In Berlin“ Lange nicht mehr so gelacht wie bei diesen Hetzreden Von Clemens Haustein
Der Versuch, politisch sein zu wollen, führt zu einem Konzertunfall mit Trillerpfeife: Eindrücke beim Ultraschall-Festival für neue Musik in Berlin. Ein Ausrufezeichen will der slowenische Komponist Vito Žuraj dann lieber doch nicht setzen. „Stand up“ lautet der Titel seines Stückes, das in revidierter Fassung beim diesjährigen „Ultraschall-Festival“ in Berlin uraufgeführt wurde.
Das Aufstehen, Aufbegehren, Protestieren erscheint als erwägbare Möglichkeit, eine Aufforderung will der Komponist aber nicht aussprechen. Ohne Ausrufezeichen bleibt auch Žurajs Musik, die in programmmusikalisch anmutender Bildlichkeit Hetzreden populistischer Politiker nachzeichnet sowie den Ärger, den der kritische Beobachter darüber empfindet. Der Eindruck tendiert dabei zum Possierlichen: Die Pizzicati in den Streichern pieksen, die Holzbläser schwatzen, im Schlagzeug, dessen Part Žuraj klanglich verschärft haben will im Vergleich zur ersten Fassung von 2017, kommen Rätschen, Trillerpfeifen und gar Autohupen schönster nostalgischer Anmutung zum Einsatz. Im Publikum wird gelacht. Und dass in allgemeiner Belustigung endet, was doch eigentlich als abschreckende Demonstration gedacht war, erscheint als Konzertunfall, der wieder nur bebildert, wie schwer den Populisten offenbar beizukommen ist….
Zu den Mitschnitten des Ultraschall Festivals
© FAZ, Kultur, 23.1.2020