„Femmes“ Mit Raphaela Gromes verdrängte Komponistinnen entdecken!
Die Cellistin hat auf „Femmes“ Werke von 23 Komponistinnen vereint, deren Werke man teilweise bald im Musikverein vom Trio Parémi hören wird können. Von Ljubiša Tošic.
Nobel hebt die Cellokantilene an, schwebt im romantischen Duktus über der perlenden Klavierbegleitung. Von Raphaela Gromes emotional aufgeladen dargeboten, wird das Stück Dreaming zur idyllischen Erzählung in Tönen. Die Umstände, unter denen die Urheberin des Stücks, Amy Beach (1867–1944), ihr Komponierhandwerk ausübte, waren weniger romantisch. Die US-Amerikanerin galt zwar als Wunderkind mit absolutem Gehör, das nicht nur als Pianistin glänzte. 1896 erschien auch ihre Gaelic Symphony, die erste Symphonie einer Amerikanerin, die aufgeführt wurde.
Dem Ganzen ging wohl aber ein Kampf voraus: Beachs Eltern hatten sie zu einer Ehe gezwungen, öffentliche Konzerte wurden ihr – bis auf eines pro Jahr – verboten. Veröffentlichen? Das durfte sie nur unter dem Namen ihres Mannes. Amy Beach, die nach dem Tod ihres Gatten mit ausgiebigen Tourneen Versäumtes nachholte, ist eine von 23 Komponistinnen, welche die deutsche Cellistin Raphaela Gromes auf ihrer Neuheit Femmes (bei Sony) vorstellt.
© Der Standard, Kultur, 7.4.2023