Musiktipps

Festival „Babel Music“ in Marseille: Frankreich liegt im Rücken

Musikalische Kreolisierung, Sufilyrik und Songs über Hotels bietet das Globalpop-Festival „Babel Music“ im südfranzösischen Marseille. Von Julian Weber.

Babel heißt auf Arabisch Tür. Der Name „Babel Music Xp“ für ein Festival, das während dreier Tage in Marseille Konzerte, Debatten und eine Musikmesse für Global Pop bietet, könnte besser nicht gewählt sein.

Traditionell ist die Hafenstadt im Süden Frankreichs ein Hub. Dreh- und Angelpunkt für Güter und Menschen von der anderen, der nordafrikanischen Seite des Mittelmeers, aber auch von weiter her, aus Westafrika, aus der Karibik, ja aus der ganzen Welt. „Babel“ war in den frühen zehner Jahren schon mal als Festival eingeführt und setzte der übermächtigen Konkurrenz Womex und Midem durch gewieften Charme und Einbettung in das innerstädtische Ambiente Vitalität entgegen. Seit 2016 lag das Festival aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten auf Eis, die Covidpandemie verlängerte die Zwangspause.

Der Festival-Relaunch fällt 2023 nun feierlich, aber nicht zu pompös aus. Die Konzerte in den „Docks du Sud“ sind gut gefüllt, allerdings fehlt das ganz junge Publikum. Festivalleiter Olivier Rey, früher Pressesprecher, ist im Gespräch mit der taz dennoch vorsichtig optimistisch. Musik entstehe im Herzen der Gesellschaft und müsse folglich auch dort stattfinden. Marseille erprobe nachbarschaftliche Strukturen seit Langem erfolgreich und lasse sich nicht auseinanderdividieren, auch nicht von der „Übermacht Paris“. „La vie ensemble“, zusammen leben, sei ein Motto.



© TAZ, Kultur, 27.3.2023

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert