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Festival Glatt & Verkehrt 2017 live: SAM AMIDON TRIO FEAT. SHAHZAD ISMAILY UND BEN GOLDBERG + RANKY TANKY

Der Sänger und Banjo-Spieler Sam Amidon bringt weit entfernte Welten zusammen: die Musik der Hillbillies aus den Appalachen, „Old Time Folk“ mit Jazz und freier Improvisation. Danach das Österreich-Debüt einer Entdeckung: die Blues, Gospel, Rhythm & Blues-Band Ranky Tanky aus Charleston, South Carolina.

Der Sänger und Banjo-Spieler Sam Amidon bringt weit entfernte Welten zusammen: die Musik der Hillbillies aus den Appalachen, „Old Time Folk“ mit Jazz und freier Improvisation. Selbst in Vermont in Neu-England geboren, kennt er die Geschichten und Traditionen der weißen Arbeiter und Landarbeiter, die Balladen und Tänze und bringt sie in die Gegenwart.

Seine Begleiter tragen klingende Namen: Der Klarinettist Ben Goldberg ist unter anderem mit seinem New Klezmer Trio ein Vorreiter der neuen Klezmer-Bewegung, der Bassist und Gitarrist Shahzad Ismaily unverzichtbarer Bestandteil der New Yorker Szene; er hat unter anderem mit Laurie Anderson, John Zorn, Marc Ribot oder David Krakauer gearbeitet.

Danach das Österreich-Debüt einer Entdeckung: die Blues, Gospel, Rhythm & Blues-Band Ranky Tanky aus Charleston, South Carolina. Sie tritt das Erbe einer bemerkenswerten Tradition an. Auf den Sea Islands vor der Ostküste der USA wurden zur Zeit des Sklavenhandels Zwangsarbeiter/innen angesiedelt, die dort nach dem Bürgerkrieg ihr eigenes Leben führen durften.

Die so entstandene kreolische Gullah-Kultur ist Basis und Inspiration für die Songs, Hymnen und Spirituals von Ranky Tanky, die erst seit Kurzem international Furore machen.

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SAM AMIDON TRIO FEAT. SHAHZAD ISMAILY UND BEN GOLDBERG | USA

Besetzung:

  • Sam Amidon, Gesang, Banjo
  • Shahzad Ismaily, Gitarre, Bass, Electronics
  • Ben Goldberg, Klarinette

Amidon kennt die Musik der Appalachen genau, die Geschichten der armen weißen Arbeiter, die von den Hügeln in die Städte herunter kamen und dann als „Hillbillies“ verunglimpft wurden. Er kennt die Balladen und Tänze, allesamt durchzogen von der Sehnsucht nach Freiheit, Erfolg oder wenigstens Herzenswärme. In ihrem Geiste schreibt Amidon reflektierende, leicht ironische und doch innige Poesie. An seiner Seite stehen Shahzad Ismaily, der unser Festival bereits 2014 mit seinem innovativen Bass- und Gitarrenspiel verzaubert hat, und Ben Goldberg. Goldbergs Ensembles heißen New Klezmer Trio oder Orphic Machine; er ist immer auf der Suche nach originären, eigenen Klängen. Gleichzeitig möchte Goldberg, wie er in einem Interview anno 2010 erzählte, uns einfach etwas geben, das wir lieben können.

„Honestly, I don’t just want to give people something that they can appreciate or understand, or that makes them think … I want to give people something that they can love.“ Und das gilt wohl auch für Sam Amidon.

RANKY TANKY I USA

Besetzung:

  • Calvin Baxter, Schlagzeug
  • Kevin Hamilton, Bass
  • Quiana Parler, Gesang
  • Clay Ross, Gitarre, Gesang
  • Charlton Singleton, Trompete, Gesang

Call & Response – Ruf & Antwort – auf dieser grundlegenden Art zu kommunizieren und Musik zu machen beruht ein Großteil von Blues, Gospel, Jazz und Pop. Das gilt auch für die fantastische Energie dieser jungen Band, deren Wurzeln knapp vor der Küste der USA liegen: Denn die Sea Islands, in unmittelbarer Nähe der drei Bundesstaaten South Carolina, Georgia und Florida, beherbergen eine faszinierende kulturelle Tradition: Im Zuge des Sklavenhandels wurden auf den Inseln seit dem 18. Jahrhundert ZwangsarbeiterInnen angesiedelt. Nach dem Bürgerkrieg, vor dem viele weiße Familien flohen, durften sie weitgehend ihr eigenes Leben führen, ohne allerdings jemals Eigentumsrechte auf das Land zu erhalten, das sie bearbeiteten. Auf den Sea Islands hat sich eine afroamerikanische Kultur erhalten, die bei Weitem authentischer, ja „afrikanischer“ ist als alles, was auf dem Festland der USA entstand. Auf Basis der kreolischen Gullah-Kultur musizieren Ranky Tanky ihre kraftvollen Songs und es entsteht aus den Hymnen, Spirituals und Kinderliedern unwiderstehlicher Rhythm and Blues.

Die Band kam bereits 1998 zusammen. Doch sie ließ sich Zeit – so ist ihre Debüt-CD erst 2017 erschienen – und zu Anfang dieses Jahres war sie beim „GlobalFEST“ die eigentliche, frenetisch gefeierte Entdeckung des New Yorker Publikums.

 

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