Festival «Unerhört!»: Die Musik muss nicht neu sein, sondern lebendig
Von Ueli Bernays (NZZ). Das Zürcher Jazzfestival präsentiert am Samstag drei Konzerte profilierter Bandleaderinnen. Das stilistische Spektrum reicht von freier Improvisation über Kammermusik bis zu üppigem Minimal.
«Zurich, c’est Irène», ruft Joëlle Léandre am Samstagabend von der Bühne der Roten Fabrik herab dem zahlreichen Publikum zu. Zürich, das sei für sie gleichbedeutend mit Irène – Irène Schweizer, die im Juni dieses Jahres 83-jährig verstorbene Jazzpianistin. Es ist der französischen Kontrabassistin ein Anliegen, vor ihrem Konzert erst noch der Zürcher Musikerin zu gedenken, mit der sie selbst oft zusammengespielt hat. In den 1970er Jahren, als die Musikszene und insbesondere der Jazz fast durchwegs von «Machos» dominiert worden sei, habe Irène Schweizer als unverfrorene Feministin das Tor aufgestossen für Musikerinnen – nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa.
© NZZ, Feuilleton, 1.12.2024