Filmtipp: „Die letzte Party vor dem Weltende“
Von Holger Heiland (JungleWorld). Oliver Laxes Roadmovie „Sirât“ ist von bedrohlicher Wucht. Nach endlosen Raves in der Wüste Südmarokkos wird eine junge Frau vermisst. Es beginnt eine Suche, die ins Unglück führt. Mit „Sirāt“ gelingt dem spanisch-französischen Regisseur Óliver Laxe ein ungemein intensives Kinoerlebnis.
Irgendwo im Süden Marokkos: Helfende Hände stapeln abgenutzte Boxen aufeinander. Eine gigantische Lautsprecherwand entsteht vor einer steilen Felswand. Großaufnahmen zeigen, wie Kabel gesteckt und Schalter umgelegt werden. Bald dröhnt der repetitiv schleifende Sound durch den Nachmittag und setzt einen Rave in Bewegung. Beats grummeln, als würden sich tektonische Platten aneinander reiben.
Zu den Klangtexturen des Filmkomponisten und DJ Kangding Ray groovt eine Schar vom Leben gezeichneter Techno-Jünger:innen im staubigen Ambiente. Es ist keiner dieser Raves, bei denen schicke junge Leute einfach nur Spaß haben und flippige Party-Selfies für Instagram produzieren. Vernarbte Haut, Alter, Versehrtheit sind sichtbar, der Wunsch der Raver, die Grenzen des Körpers zu überwinden, alles hinter sich zu lassen und durch Trance in andere Sphären zu wechseln, ist mit Händen zu greifen.
© JungleWorld, Dschungel, 14.8.2025 / Texte: Holger Heiland