„Fremde oder Freunde“ Neue Begegnungen von Musikstilen. Von Oliver Tepel / TAZ
Wie klingt es, wenn geografisch entfernte Musiktraditionen aufeinandertreffen? Das zeigen Alben von Bachir Attar und Elliott Sharp sowie Mickey Hart.
Wie begegnen sich Fremde? Wahren sie distanzierte Neugierde oder sehnen sie sich danach, in einer Umarmung aufzugehen?
Der sogenannten World Music wurde vorgeworfen, diese Umarmung auf unredliche Weise zu inszenieren, Fremdheit nivellierend oder alles Artifizielle in ihrem Gestus der Natürlichkeit verleugnend. Auch tief empfundenes Mit-Menschsein hilft nicht, die unterschiedlichen Tonleitern und in verschiedenen Traditionen verwurzelten Klangwelten so ohne Weiteres zusammenzubekommen. Den somit experimentellen Charakter kulturübergreifender musikalischer Begegnungen betonten während der 1980er, in denen der kontroverse Begriff World Music enorm an Popularität gewann, die eher dem Post-Punk nahen Versuche am neuen Genre.
Eine um aktuelle synthetische Beats und Gesten der Avantgarde schwirrende Ästhetik entstand, so auch in der Zusammenarbeit des marokkanischen Musikers Bachir Attar mit dem US-Avantgardisten Elliott Sharp. Das emsige israelische Label Fortuna Records veröffentlicht nun ihre seit 1990 längst vergriffene Duo-Aufnahme. Sie unterstreicht Attars Bedeutung als Leader der The Master Musicians of Jajouka.
Bachir Attar & Elliott Sharp: „In New York“ (Fortuna Records/Groove Attack)
Planet Drum: „In the Groove“ (BFD/The Orchard/Membran)
© TAZ, Kultur, Musik, 2.9.2022