„Freundlich, vernuschelt, krank “ Neues Album der Band Mutter
Die Existenzphilosophen des Noiserock sind wieder da. Das neue Album der Berliner Band Mutter heißt „Ich könnte du sein, aber du niemals ich“. Von Benjamin Moldenhauer.
Mutter sagt einem Bescheid und verbeißt sich in das, was schiefgelaufen ist. Wer gerade heiter und beschwingt durchs Leben flaniert, wird mit der brachialen Musik der Berliner Band nicht viel anfangen können. Oder wollen. Wer aber gerade wieder in einer eher zerquälten Phase rumrudert, dem spenden Mutter eine sehr eigene, seltsame Form von Trost.
Das gilt bereits für das Frühwerk, mit dem die Band, 1986 noch im alten Westberlin gegründet, immer noch vor allem verbunden wird, von den wenigen Menschen, die sie überhaupt kennen: sperriger, unrockistischer Noiserock war das, über den Sänger Max Müller gerne Texte in der zweiten Person Singular sang. „In ihren Augen ist nichts mehr / Sie hat dich nie gebraucht“
© TAZ, 13.10.2022