„Future Sounds“ Buch über Krautrock „Elektrifizierte Entnazifizierung“

Krautrock is coming home: „Spiegel“-Autor Christoph Dallach versammelt im Buch „Future Sounds“ Stimmen zur Oral History der deutschen Hippierockszene. Von Uwe Schütte

In Westdeutschland interessierte sich kaum jemand für sie. Erst mit dem Aufkleber „Tophit in England“ verkauften sich Alben von Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF) auch zu Hause. So zumindest erzählt es Sänger Gabi Delgado in „Future Sounds.Wie ein paar Krautrocker die Popwelt revolutionierten“, einer Oral History des Krautrock, die der Spiegel-Autor Christoph Dallach kompiliert hat. DAFs Anfänge 1978 als experimentelle Instru­men­tal­band lassen sich gerade noch unter jenem ominösen Rubrum subsumieren. Den Aufkleber könnte man freilich dem Phänomen Krautrock insgesamt anheften. Im eignen Land gilt der Prophet zumeist wenig bis nichts.

Ab Ende der 1960er Jahre wurde tatsächlich Popmusik in Westdeutschland revolutioniert, ausgerechnet. Experimentelle Sounds von Bands wie Can, Neu!, Tangerine Dream und Kraftwerk repräsentierten mehr als ein Jahrzehnt ein radikal neues Rockidiom. Es brachte Popmusik auf ein gänzlich anderes, weil elektrifiziertes Level. Insofern war die Musik der Krautro­cke­r:in­nen ein veritabler Soundtrack zum politischen Aufbruch dieser Zeit.



© TAZ, Kultur, Musik, 8.7.2021



Christoph Dallach hat dessen Pioniere befragt, darunter Irmin Schmidt, Jaki Liebezeit, Holger Czukay (alle Can), Michael Rother (Neu!), Dieter Moebius (Cluster), Klaus Schulze (Tangerine Dream), Achim Reichel (AR Machines), Lüül (Agitation Free), Karl Bartos (Kraftwerk), Brian Eno u. v. a. Ihre Antworten fügen sich zu einer Oral History, die über die einzelnen Bandgeschichten weit hinausweist: einerseits in die Vergangenheit, zu Nazilehrern, Nachkriegselternhäusern, Freejazz, Terrorismus, LSD und äußerst langen Haaren; genauso aber in die Zukunft, zu globaler Anerkennung, Mythenbildung, Techno oder Postrock.© Suhrkamp Verlag


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