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„Gedankenverbrechen in Belarus“ Wenn Dystopien lebendig werden

Von Inga Lizengevic. Das belarussische Staatsfernsehen agitiert in Hass-Sendungen gegen jeden, der nicht hinter Machthaber Lukashenka steht. Verhaftungen finden willkürlich statt; gefoltert wird im Verborgenen. Orwells Dystopie „1984“ – in Belarus ist sie Wirklichkeit geworden.

„Bald werden sie in unsere Köpfe klettern und schauen, welche Gedanken wir haben. Und für diese Gedanken werden sie uns einsperren,“ meint Natalia Dulina, die ihre Professur an der Linguistischen Universität wegen der Teilnahme an Protesten verloren hat. Mittlerweile muss man in Belarus gar nicht mehr an einer Demonstration teilnehmen – es reicht, mit dem Gedanken daran zu spielen. Likes oder Reposts in den sozialen Medien, Wäsche in weiß-rot-weißer Farbfolge auf der Leine: alles Gründe für Verhaftungen und Gefängnisstrafen.

Man wird nicht zum Präsidenten gemacht, man wird als Präsident geboren,“ sagt Machthaber Lukashenka von sich selbst. In beinahe drei Jahrzehnten hat er ein System aufgebaut, das seine Alleinherrschaft sichert. 2020 hätte ein Wendepunkt werden können, doch nach der Zerschlagung der friedlichen Proteste dreht sich die Spirale der Unterdrückung jetzt mit neuer Kraft weiter. Menschen werden verhaftet und gefoltert, Bücher werden vergraben, das Staatsfernsehen hat auf Hass-Programme umgestellt. Orwells Dystopie – in Belarus ist sie Wirklichkeit geworden.



Gedankenverbrechen in Belarus (Ursendung)                                  
Wenn Dystopien lebendig werden                                
Von Inga Lizengevic
Regie: die Autorin
Mit: Franz Hartwig, Andreas Döhler, Elvis Clausen, Catherine Stoyan, Daniel Sellier, Inka Löwendorf, Yuri Förster, Svenja Liesau, Hansa Czypionka, Anastasia Gubareva, Konstantin Bez und Inga Lizengevic
Ton und Technik: Jean-Boris Szymczak
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2022

© Deutschlandfunk, Feature, 6.12.2022

Inga Lizengevic, geboren in Russland, aufgewachsen in Belarus, Russland und der Ukraine, studierte in Minsk und Berlin, lebt als Theaterregisseurin, Hörfunkautorin und Dokumentarfilmerin in Berlin. Für ihr Feature „Babys für die Welt. Das Geschäft mit ukrainischen Leihmüttern“ (Deutschlandfunk/SWR/ORF 2021) wurde sie mit dem Prix Italia 2022 ausgezeichnet.

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