„Geld verdienen mit Musik“ Da bleibt nur die Fußgängerzone
Detlef Diederichsen hält im taz-Kommentar wenig von Melanie Gollins hier erhobener Forderung an Musiker, sich doch mehr mit Crowdfunding, PayPal und Co. zu befassen.
Weder Festanstellung im Orchester, noch Schlagerhit gelandet: Warum lässt sich der Mittelbau der Musikbranche nicht per Paypal-Button bezahlen? Von Detlef Diederichsen.
Musik ist ein schönes Hobby. So habe ich es gelernt. Nichts, wovon man auf Dauer seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. In den USA, vielleicht sogar in Großbritannien mag das anders sein. Aber in Deutschland lässt sich eigentlich nur in den Nischen Klassik und Schlager auf Dauer ein auskömmlicher Lebensunterhalt erwirtschaften. Und eigentlich auch da nicht.
Wenn man aber dort sowieso nicht hin wollte, blieb das schöne Hobby, das das Musikmachen auch für 99 Prozent der von späteren Generationen womöglich weltweit bewunderten Protagonist*innen von Krautrock und Experimental-NDW bedeutete. Dass es so was wie einen Mittelbau gibt, dass man also auch dann vom Musikmachen leben kann, wenn man nicht Dauergast in den Top Ten ist oder eine unkündbare Anstellung in einem Rundfunkorchester ergattert hat, dass Musiker*innen auf Basis der aus den USA bekannten Routine Album-Tour-Album-Tour ihren Lebensunterhalt bestreiten können, gibt es in Deutschland zuerst zu Zeiten des großen CD-Booms der 1990er Jahre
© TAZ, Kultur, 30.10.2023