Musiktipps

„Gemeinsam denken und Musik erleben“ Interview mit dem Leiter der „Maerzmusik 2021″

Sich aus dem Alltag ausklinken: Berno Odo Polzer, Leiter des „Maerzmusik“-Festivals, über unsere Zeitbegriffe und 30-Stunden-Konzerte. Von Christopher Warmuth.

Herr Polzer, am Freitag startet die „Maerzmusik“, ein „Festival für Zeitfragen“. Sind die Konzerte dabei nur das Alibi-Rahmenprogramm?

Es gibt diesmal mehr Musik und Klang denn je. Wir zeigen Uraufführungen von Georges Aperghis und Terre Thaemlitz, präsentieren die noch unbekannte Komponistin Ashley Fure in Berlin. Das Festival ist getragen von musikalisch-sinnlichen Erfahrungen. Dass wir zusätzlich Raum für gemeinsames Nachdenken eröffnen, schwächt das musikalische Programm nicht. Ich will von zwei Dingen weg. Erstens von der Fetischisierung von Intellektualität und zweitens von der Ablehnung dieses Fetisches.

Wohin geht es dann?

Hin zu einer vielseitigen Erfahrung. Wir versuchen, zwei Arten von Räumen entstehen zu lassen, die miteinander korrespondieren. Im Erfahrungsraum schaffen wir die Möglichkeit, Musik und Kunst zu erleben, also nicht zuletzt sich selbst zuzuhören. Und im Reflexionsraum kann man diese Erfahrungen teilen.

Wie bei „Thinking Together“?

Diese Reihe ist ein Diskurs-Format, das nicht-akademisch angelegt ist, nicht frontal, nicht belehrend. Es geht um die Möglichkeit gemeinsamen Nachdenkens mit internationalen Gästen, die leiten und inspirieren. Gemeinsam denken kann eine sehr berührende Erfahrung sein.

© Der Tagesspiegel, Kultur, 15.3.2021

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