Musiktipps

„Klassische Musik ist längst multikulturell“ Der Komponist George E. Lewis bei Maerzmusik

Der amerikanische Komponist George E. Lewis pflegt eine lange Beziehung zu Berlin. Im Interview spricht er über die Afro-Diaspora und das Festival Maerzmusik. Von Andreas Hartmann.

Mister Lewis, Sie sind gerade Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Unter anderem wollen Sie hier eine Oper schreiben, die auf Themen aus einer Science-Fiction- Geschichte des afroamerikanischen Autors W.E.B. Du Bois und einer Oper von Claudio Monteverdi basiert. Wie kommen Sie voran mit der Arbeit?
Es hat sich alles verschoben. Die Premiere der Oper genauso wie meine Arbeit an dieser. So ist das eben mit Corona. Aber ich habe auch so genug zu tun, gerade habe ich ein paar Artikel geschrieben und arbeite an einem neuen Stück für Orchester. Manchmal ist es schwer, sich während des Lockdowns zu konzentrieren. Ich war zuerst in New York, jetzt in Berlin, habe also zwei verschiedene Formen von Lockdowns erlebt und manchmal fühlt man sich da etwas orientierungslos. Vielleicht sollte ich ein Stück über diesen Zustand komponieren.

Wie war der Lockdown in New York im Vergleich zu dem nun in Berlin?
Ich war im Lockdown in New York, als Donald Trump noch Präsident der USA war. Also war es nie ganz klar, ob da wirklich jemand sinnvoll versuchte, etwas gegen Corona zu unternehmen. Und es hat sich dann auch herausgestellt, dass da nichts lief, der Präsident hat die Gefährlichkeit des Virus ja verleugnet. In Berlin ist die Situation ganz anders. Hier wird etwas getan, aber es scheint so zu sein, als sei die Bekämpfung der Pandemie schwieriger, als sich die Regierung das vorgestellt hatte. In New York haben wir jedes Paket desinfiziert, das wir erhalten haben. Wir sind nicht zum Einkaufen gegangen und nie nach draußen, ich war zwei Monate lang nicht außerhalb meiner Wohnung. Dabei lebe ich direkt neben dem Central Park, war aber während des Lockdowns nicht einmal dort. Hier dagegen gehe ich normal einkaufen, spazieren in den Parks und treffe Leute unter Corona-Bedingungen.

© Der Tagesspiegel, Kultur, 18.3.2021

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