Im Jazz galt bei Plattenaufnahmen lange das Ideal, Musik möglichst live im Studio einzuspielen. Inzwischen verbreitet sich auch hier die Arbeit mit digitalen Versatzstücken, wie man sie aus Pop, Hip-Hop oder elektronischer Musik kennt.
Doch das geschieht im Geist der Improvisation. Miles Davis nutzte als einer der ersten Jazzmusiker die Möglichkeiten der Nachbearbeitung. Ab den 60er-Jahren nahm er viel mehr Material auf, als auf eine Platte passte – um anschließend mit seinem Produzenten Teo Macero die besten Momente zusammenzuschneiden. Heute nutzen junge Musiker Post-Production auch als experimentelles Spielfeld für die Mischung akustischer und elektronischer Sounds. Ziel ist dabei oft ein improvisatorisch geprägter Umgang mit der Technik, der das Ergebnis klingen lässt wie live gespielt. Aktuelle Beispiele: die Musik der beiden Schweden Petter Eldh und Otis Sandsjö, aber auch der R&B-inspirierte Sound der Kölner Band Salomea.