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„Ghost Town Blues“ Der Sound von Leere

Das Studio Akustische Kunst erforscht den Sound der Ruinen: Die Kirchturmglocken läuten noch, aber die Straßen sind so gut wie ausgestorben. Hier quietschen keine Saloontüren und der Wind lässt auch keine Steppenpflanzen durch das Bild rollen.

Wir sind nicht im Wilden Westen sondern in Doel, einem Ort an der Schelde, der dem Ausbau des Antwerpener Hafens zum Opfer fällt. Entvölkerung, Verfall, leerstehende Häuser, Touristen auf der Suche nach einem postapokalytischen Kick, einzelne Bewohner, die ausharren und ihrem alltäglichen Geschäft nachgehen – hier hat der Kölner Audiokünstler Sindelar für sein neues Hörstück „Doeltroit“ seine Mikrophone aufgestellt.
Der isländische Produzent Matthias Hemstock ließ sich von einer Fotoserie über unbewohnte Häuser, versunkene Schiffe und veraltete Fabriken zu seiner Soundscape-Komposition „Mórar“ inspirieren. Ebenfalls aus Island stammt der Musiker Jóhann Jóhannsson, der für sein Projekt „Fordlândia“ die gleichnamige – im Auftrag von Henry Ford Ende der 1920er im Amazonasdschungel erbaute – Mustersiedlung mit einem geisterhaften Soundtrack versieht.

„Doeltroit“ Sounds aus dem belgischen Doel
Von Sindelar  Produktion: WDR 2016

„Fordlândia“ Von Jóhann Jóhannsson

„Mórar“ Von Matthías Hemstock
Aufnahme vom 21. November 2005 aus dem Kölner Filmhaus

Mit Stefanie Schrank
Redaktion Markus Heuger

© WDR 3, Studio Akustische Kunst, 3.12.2016

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