Hörspiel „San Pedro Claver“ Von Hubert Fichte
Der Jesuitenpater Pedro Claver lebte von 1580 bis 1654; er wurde am 15. Januar 1888 kanonisiert. Vierundzwanzig Jahre seines Lebens brachte er in Cartagena de Indias zu, einem der Hauptumschlagplätze der Negersklaven in der Neuen Welt, wo er der Legende nach 300.000 Afrikaner getauft haben soll.
Hubert Fichte, der sich immer wieder fasziniert der Geschichte und Situation des südlichen Amerika zugewandt hat, durchsetzt sein Historienbild mit authentischen Texten und Belegen. Sein Stück kann in der Analyse extremer Lebensformen als Beitrag zu einer poetischen Anthropologie verstanden werden. Leben und Leiden seiner Figur sieht der Autor durch zweierlei Identifikationsstreben gekennzeichnet: In der Kasteiung folgt San Pedro Claver dem Beispiel seines Ordensoberen Ignatius von Loyola, durch Selbsterniedrigung begibt er sich direkt auf die Existenzebene der Mühseligen und Beladenen, der Sklaven.
„San Pedro Claver“ Von Hubert Fichte
Mit Fritz Rasp, Wolfgang Reichmann, Bernhard Minetti, Hans Mahnke, Kurt Lieck u. v. a.
Regie: Peter Michel Ladiges
SDR/NDR 1976
Hubert Fichte (1935–1986), geboren in Perleberg, wuchs in Hamburg auf, war Schauspieler, Schäfer, ab 1963 freier Schriftsteller, Mitglied der Gruppe 47 und des deutschen PEN. Zu seinen wichtigsten Werken zählen die Romane „Das Waisenhaus“ (1965), „Die Palette“ (1968) und „Versuch über die Pubertät“ (1974), die ethnopoetischen Reiseberichte „Xango“ (1976) und „Petersilie“ (1980) sowie die unvollendete mehrbändige „Geschichte der Empfindlichkeit“, die als Fichtes Hauptwerk gelten darf.