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I believe in music? (1/3) „Der Fehler als Methode“ Irrtum und Zufall in der Musik Von Ulrich Bassenge

Der Fehler ist ein Teufel – und der kleine Bruder des Zufalls. So gesehen ein quicklebendiger Bastard eines Kontrollverlustes, den lustvoll geschehen zu lassen jeden Künstler herausfordert. Einerseits schwebt er als Damoklesschwert über jeder Improvisation.

Andererseits wird der Fehler seit Jahrhunderten musikalisch produktiv gemacht: wie etwa von Heinrich Ignaz Franz von Biber in seiner Battalia, einem musikalischen Schlachtengemälde, das unter anderem das betrunkene Durcheinandersingen der Musketiere abbildet. Was von dem barocken Komponisten ähnlich wie später von Mozart noch als „musikalischer Spaß“ – übrigens auf hohem Schwierigkeitsniveau – gemeint war, entwickelte Charles Ives zum Mittel, seiner Musik ein Fenster ins Universum zu öffnen. Er komponierte den Zufall in viele seiner Werke hinein, um so den Minotaurus Orchester zu entfesseln und keine Aufführung der anderen ähneln zu lassen. Gleichzeitig ist Ives‘ Musik ein leidenschaftliches, vielstimmiges Plädoyer für die plurale Gesellschaft, in der kalte Perfektion dem freien Spiel der Kräfte weichen muss.
Seitdem nutzen Musiker und Tontechniker den Fehler als Methode zur Entdeckung faszinierender Welten. Sie ignorieren die Grenzen oder die vorgegebenen Zwecke des Equipments. Autotune, Melodyne und Vocaloid verwandeln fehlerbehaftete menschliche Stimmen in androide. Ein direkter Weg führt von Joe Meeks überfahrenen Kompressoren und George Martins übersteuertem Beatles-Mischpult zum geisterhaften Klang der Glitch-Artisten wie Laurel Halo oder Oneohtrix Point Never. Wie die Linzer Ars Electronica 2018 mit dem Motto „The Art of Imperfection“ festschrieb, ist der Fehler auf dem paradoxen Weg zur Nachhaltigkeit in einer flüchtigen, zeitbasierten Kunst wie der Musik. Also nieder mit dem Rauschabstand, hoch lebe der Rauschpegel!

 

© Bayern 2, Nachtstudio, 6.8.2019

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