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I believe in music? (3/3): „The Kids are Alt-Right“ Über die Dialektik von Provokation und Emanzipation im Pop Von Jens Balzer

Dumpf sprechsingende Männer mit überzüchteten Trizeps predigen Hass auf Frauen, Schwule und Juden; völkische Deutschrocker wollen mit grobem Gitarrengeschrubbe patriotische Gefühle erwecken. Wer heute in die Hitparaden blickt, kann leicht glauben, dass Popmusik nur noch reaktionäre Weltbilder pflegt.

Wie konnte es dazu kommen? Und seit wann ist das überhaupt so? Hatten wir nicht früher einmal geglaubt, dass Pop auf der Seite der Emanzipation steht – ein Medium der Schwachen und der Minderheiten? Aber stimmt das überhaupt?

Heute herrscht Empörung über deutsche Rapper wie Kollegah und Farid Bang und ihre antisemitischen Texte oder über die nationalistischen Töne bei der südtiroler Rockgruppe Freiwild – in den Siebzigerjahren faselte der Säulenheilige David Bowie von „Hitler als dem ersten Popstar“; die allseits beliebte Glamrock-Gruppe Kiss schrieb ihren Bandnamen mit SS-Runen. In diesem Feature über Pop und Politik reisen wir aus der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück. Dabei zeigt sich, dass Pop zu keinem Zeitpunkt rein emanzipatorisch oder politisch korrekt gewesen ist: Das Reaktionäre und das Progressive waren schon immer dialektisch verwoben – während die eigentlichen politischen Aktivisten zu jeder Zeit, bei den 68ern ebenso wie bei den heutigen Identitären, vollständig unmusikalisch sind.

 

© Bayern 2, Nachtstudio, 20.8.2019

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