Iranischer Musiker Saba Alizadeh: „Sobald du die Erlaubnis hast, darfst du Musik veröffentlichen“!
Von Max Dax (FR). Der iranische Kamanche-Virtuose Saba Alizadeh über das neue Leben im Exil, John-Cage-Konzerte in Teheran und die Schwierigkeiten, denen vor allem Sängerinnen in seiner Heimat ausgesetzt sind.
Saba Alizadeh, ich erreiche Sie im niederländischen Leiden. Haben Sie Teheran wegen der Musik verlassen müssen?
Nein, nicht wegen der Musik. Meine Frau und ich haben den Iran aber dennoch verlassen, zumindest für den Moment, weil wir beide jeden Tag erlebt haben, wie beunruhigend das Leben im Iran sein kann – und zwar mental wie körperlich. Wir haben geheiratet während der Pandemie, und zwei Jahre später wurde die „Woman Life Freedom“-Frauenrechtsbewegung brutal niedergeschlagen. Viele Frauen und Männer wurden gefangen genommen, fast 500 wurden getötet. Also beschlossen wir, für eine Weile unseren Wohnort zu wechseln, um für eine Weile gesundes Lebensumfeld zu erleben. Ich habe meine Frau ermutigt, einen Master-Abschluss zu machen, und sie hat sich für die Universität in Den Haag entschieden. So kamen wir in die Niederlande.
Ihr neues Album „Temple of Hope“ ist jetzt erschienen. Blicken Sie – angesichts des Titels – heute optimistischer in die Zukunft?
Tatsächlich blicken derzeit angesichts der sich verändernden geopolitischen Weltlage sehr viele junge Iraner mit viel Hoffnung in die Zukunft. Aber diese Hoffnung ist vage. In Zeiten, in denen sich die äußeren Umstände gegen einen gerichtet haben, ist die Hoffnung alles, was einem bleibt. Die Hoffnung ist eine unsichtbare Kraft. Warum wachen Menschen, die unterdrückt werden, jeden Tag wieder auf? Es ist die Hoffnung, die sie weitermachen lässt. Ich habe den Iran in der Zwischenzeit bereits zweimal wieder besucht und werde immer wieder heimkehren. Aber dieses Album habe ich tatsächlich eine Woche vor dem Mord an Jina Mahsa Amini begonnen. Ich hatte mich für eine Residency beworben, war mit all meinen Sachen, meiner gesamten Ausrüstung bereits umgezogen, um mit der Arbeit zu beginnen. Und dann passierten diese Ereignisse, und ich legte gleich zu Beginn für zwei Wochen die Arbeit nieder, um mich neu zu sortieren. Ich habe dann mehr als zwei Jahre gebraucht, um „Temple of Hope“ fertigzustellen. Und wo immer ich lebe, ich bin immer mit dem verbunden, was im Iran passiert.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 9.1.2025