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Jazzfest Berlin 2024: Sun Ra Arkestra + Marilyn Crispell solo

Es ist keine leichte Aufgabe, nach dem Tod eines visionären Bandleaders auf dem gleichen Niveau weiterzumachen – besonders, wenn es sich um eine solche Ikone wie Sun Ra handelt.

Der außergewöhnliche Komponist und Keyboarder begann seine Karriere in den 1950er-Jahren in Chicago und entwickelte mit der Zeit eine unverwechselbare Ästhetik. Dabei vereinte er den Swing, mit dem er aufgewachsen war, mühelos mit abenteuerlichen Klangexperimenten und kollektiven Improvisationen. Sun Ra behauptete oft, er stamme vom Saturn, und die Musiker*innen des Arkestras unterstützten diese Rolle, gekleidet in maßgeschneiderte, mit Pailletten besetzte Outfits. Als Pendant zu den kosmischen Klängen sind die Auftritte des Arkestras seit langem auch ein visuelles Spektakel.

Nach Sun Ras Tod 1993 übernahm Altsaxofonist Marshall Allen die Leitung des Arkestras, das es schaffte, Sun Ras Kraft, seine Kreativität und seinen ungebremsten Enthusiasmus zu bewahren. Und auch wenn der inzwischen 100-jährige Allen nicht mehr weit von seiner Heimat Philadelphia auftritt, repräsentiert die aktuelle Besetzung Allens Musikalität und Vision in seiner Abwesenheit. Die außergewöhnliche Sängerin Tara Middleton ist eine vielversprechende Bereicherung, indem sie über die Rolle der verstorbenen June Tyson hinausgeht: Ihre Präsenz hält die Musik oftmals zusammen. Ebenfalls zum Arkestra gehören prominente Musiker*innen wie Saxofonist Knoel Scott, Trompeter Michael Ray und Bassist Tyler Mitchell. © Texte: Jazzfest Berlin 2024



Knoel Scott – Alt- und Baritonsaxofon, Kongas
Anthony Nelson – Klarinette, Baritonsaxofon
James Stewart – Flöte, Tenorsaxofon
Chris Hemingway – Altsaxofon
Michael Ray – Trompete
Cecil Brooks – Trompete
Robert Stringer – Posaune
Elson Nascimento – Surdo, Perkussion
Tyler Mitchell – Kontrabass
George Gray – Schlagzeug
Tara Middleton – Gesang
Farid Barron – Klavier, Keyboards


Marilyn Crispell solo / Ausschnitt

Die Pianistin Marilyn Crispell ist eine der vielseitigsten, feinfühligsten und zugleich fantasievollsten Improvisationsmusiker*innen des Jazz und hat seit dem Beginn ihrer Karriere in den späten 1970er-Jahren den Spagat zwischen wilder Improvisation und Post-Coltrane perfektioniert. 

Sowohl als Solokünstlerin als auch in fruchtbaren Kollaborationen mit Anthony Braxton, Paul Motian oder Reggie Workman passt sie sich verschiedensten Kontexten an, ohne dabei etwas von ihrer rhapsodischen Sensibilität aufzugeben. 

Als Teil von Joe Lovanos Trio Tapestry, das am Festivalfreitag zu erleben ist, hat Crispells Fähigkeit, Post-Bop-Basics zu durchbrechen, eine neue Generation von Zuhörer*innen erreicht. Mit einem ihrer seltenen Solo-Sets an diesem Abend beweist sie, dass sich ihre Musik in jede denkbare Richtung entwickeln kann – von sanfter Lyrik und in allen Farben schillernder Harmonik bis hin zu wilder motivischer Arbeit und fieberhaften Episoden aus halsbrecherischen Clustern und ungebremstem Vorwärtsdrang. © Texte: Jazzfest Berlin 2024



© Deutschlandfunk, Konzert, 2.11.2024

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