Musiktipps

Kamasi Washington lädt zur Ekstaseparty

Der US-Saxofonist mixt auf seinem neuen Album „Fearless Movement“ opulenten 1960er-Jahre-Jazz mit Hip-Hop und Funk. Von Ljubiša Tošić.

Streng genommen ist Kamasi Washington ein smarter Absolvent der Jazz-Uni von Innovator John Coltrane, der das Studium wegen großen Erfolges abbrechen konnte. Auch seine Neuheit, Fearless Movement, der der Saxofonist einen Spin Richtung Tanzbarkeit verlieh, bewegt sich tendenziell auf modaler harmonischer Grundlage. Auf dieser mit wenigen Akkordrückungen auskommenden Stilbasis sprudeln hymnische Instrumentalgesänge. In episch gedehnten Stücken wird jene Ekstase beschworen, die für Coltrane ein Pfad zur göttlichen Sphäre war.

Der Unterschied zu Coltrane? Instrumentaltechnisch kann Washington gerne noch für ein paar Übungsstunden an die Coltrane-Uni zurückkehren, um dem Vorbild nahezukommen. Dafür ist der Wuschelkopf ein wahrer Professor der Selbstinszenierung, was ihn auch für die jazzferne Welt interessant werden ließ. Weite, imposant bunte Gewänder, kiloweise Schmuck samt verziertem Stock: Komplett ist ein Imagemix, das erdferne afrofuturistische Ästhetik, aber auch Reminiszenzen an afrikanische Wurzeln bemüht.




© Der Standard, Kultur, 5.6.2024

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