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„Kind aus Seide“ Hörspiel von Leonie Ziem

Das Hörspiel der SWR Hörspielpreisträgerin 2024 Leonie Ziem auf dem Heidelberger Stückemarkt. Birgt der Zustand der technologischen Entfremdung eine Erlösung für die gepeinigte Menschenseele? Das Hörspiel „Kind aus Seide“ über die Beziehung der Eisverkäuferin Judith führt immer wieder an den Punkt, an dem humane Ethik versagt, und ein Ausweg in Technologien gesucht wird.

Althergebrachtes Menschenleid, wie Diskriminierungen und Hierarchien erfahren in dieser, zwischen Utopie und Dystopie angesiedelten Welt transhumanen Trost und Ausweg. Selbst für die anscheinend menschlichste aller Fähigkeiten – der Liebesbefähigung sind Maschinen besser gerüstet als wir, ihre fehlerhaften Erschaffer*innen. Die „kreativen Einheiten“ – nicht zu verwechseln mit ordinären AI – kennen und errechnen den richtigen, weil schmerzfreien Zeitpunkt für eine Beziehungstrennung.

In der CPU der „Milchmädchen“ – AI findet sich überraschenderweise auch die Befähigung zur gerechtfertigten Enthaltung. Ein in der Vergangenheit hart erkämpftes Gut und wirksames Mittel gegen soziale, sexuelle und ethnische Diskriminierung. Maschinen mit Fähigkeit zum Dissens. 

Gründliches formales, niemals didaktisches Handwerk trifft in dem Hörspiel von Leonie Ziem auf Sprache und rhythmische Strukturen, ohne poetische Schlieren oder „Glitches“ zu hinterlassen. „Kind aus Seide“ ist eine hochkomplexe Matrix aus Gender, Sexualität und Technologie. Der Autorin gelingt es in ihrem Stück diskursiv zu sein, ohne ins Akademische abzudriften.

In dem Stück kommt eine Welt zum Vorschein, die fremd und nah zugleich ist, deren Ebenen und Figuren körper- und raumlos sind, nach denen wir verlangen, die wir kennen und deshalb wohl ablehnen (müssen). Sie lässt offen, ob die Menschheit Erlösung oder Unheil in ihren prometheischen Erfindungen vorfindet.

„Kind aus Seide“ Hörspiel von Leonie Ziem
Milchmädchen (Lou Strenger)
Eisverkäuferin (Odine Johne)
Service 1 (Sebastian Röhrle)
Passantin und Service 2 (Almut Henkel)
Passant:innen (Gábor Biedermann, Gabriele Hintermaier
Noah Meskina, Celina Rongen, Michael Stiller)
Anrufer:innen (SWR Sprecherteam)

Regie: Bernadette Sonnenbichler
Produktion: SWR 2025 – Premiere

Leonie Ziem, 1999 geboren, ist Autorin. Sie studierte Philosophie und Politikwissenschaft in Berlin und Leipzig. Derzeit studiert sie Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Von 2018 bis 2022 war sie Teil eines etwa 50-köpfigen Kollektivs, das sich künstlerisch-journalistisch mit der Gegenwart auseinandersetzt. Im Jahr 2023 erhielt Ziem das Startstipendium für Literatur der österreichischen Bundesregierung für die Arbeit an ihrem ersten Roman. Im Jahr darauf war sie eingeladen zum Treffen junger Autor*innen am Schauspiel Leipzig. In enger Zusammenarbeit mit Filmregisseur*in Julie Matthées schreibt Leonie Ziem für den Film. Die jüngste filmische Arbeit wurde 2022 beim Dokfilmfestival Kassel gezeigt und für den goldenen Herkules nominiert. Im Herbst 2024 war sie Artist in Residency im Filmhaus Basel. Sie ist außerdem journalistisch tätig für Print und Radio, unter anderem für Deutschlandfunk Kultur. 

© SWR Kultur, Ohne Limit, 27.4.2025

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