„Klagelieder und Freudenschreie“ Der Holzbläser und Komponist David Murray
David Murray ist ein Musiker der Extreme. Bekannt geworden ist er Mitte der 1970er-Jahre in New York als virtuoser und energischer Tenorsaxofonist und Bassklarinettist mit Feueratem. Von Niklas Wandt.
Aber er ist auch tief in Blues, Gospel, Swing und Bebop verwurzelt. Die verschiedenen Elemente sind im Laufe von Murrays Karriere immer deutlicher zum Tragen gekommen und haben sich in vielen seiner Werke durchdrungen. Etwa das 1980 eingespielte Oktett-Album „Ming”. Die straff swingenden Formen sind zum Zerbersten gespannt und lösen sich nicht selten in ein aufgeregtes Stimmengewirr der fünf Bläser auf. Viel zurückgelehnter wirkt „Ballads” von 1988. Hier gibt Murray schließlich den reifen, vollmundigen Crooner. Doch auch in diesen polierten Modern Jazz finden die überblasenen Schreie und asymmetrischen Linien ihren Weg – sparsamer, aber dafür umso eindringlicher.
© Deutschlandfunk, Milestones, 21.2.2025