Die Radiotipps für den 17.3.2025
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
01:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Tonart Klassik
Moderation: Haino Rindler
Zwei Werke des Abschieds stehen im Zentrum des neuen Albums des in Wien beheimateten Simply Quartet: Mendelssohns f-Moll-Streichquartett, op. 80 und Dvoraks G-Dur-Streichquartett, op. 106. Felix Mendelsohn-Bartholdy nahm Abschied von seiner Schwester Fanny, Dvorak nahm Abschied vom Genre Streichquartett. Allerdings tragen die beiden Komposition hinsichtlich der Anmutung und Ausrichtung völlig verschiedene Vorzeichen. Dvoraks Werk sprüht nur so vor Enthusiasmus und Lebensfreude, Mendelssohns Musik ist von bitterer Verzweiflung und Trauer überschattet. In der Tonart sprechen die vier MusikerInnen des Simply Quartet über die Idee zu diesem Album der Gegensätze. Es geht aber auch um den Klang dieses äußerst dynamisch agierenden Ensembles, das die Kontraste liebt und die Kunst des Innehaltens beherrscht.
17:00 Uhr ByteFM La France, en confidence mit Uli Patzwahl
Zachary Richard, Lisa Ducasse & Oklou
Der Begriff „Legende“ sollte im Musikjournalismus vor der Verwendung sehr, sehr genau geprüft werden. Trifft er wirklich zu? In diesem Fall nützt ja nichts, unbedingt: Zachary Richard ist eine. Und zwar im „Cajun“-Fach. Er gehört zu den letzten US-Amerikanerinnen und -Amerikanern, die in Louisiana weitgehend auf Französisch aufgewachsen sind. Und mit der Musik seiner Vorfahren: „Cajun“ eben, englisch verkürzt für französisch „acadien“. Aus dieser „Acadie“, in etwa die heutigen kanadischen Provinzen Nova Scotia und New Brunswick, wurden die französischen Siedlerinnen und Siedler im 18. Jahrhundert blutig vertrieben. Als junger und mittelalter Mann hat Zachary Richard diese in alle Himmelsrichtungen verstreute Kultur zusammengetragen und die Lieder gesungen. Jetzt ist er alt und hat einen Enkel in Frankreich, der so gerne mit ihm singen würde, das aber wegen einer neurologisch-motorischen Störung nicht kann. Für Zachary ist das kein Grund, das Projekt „Gemeinsame Musik“ nicht doch zu versuchen. Zum zweiten Mal in zwölf Jahren hat er mit Emile ein Album geschrieben, „Handicap Bonheur“ heißt es, inzwischen ist der Enkel erwachsen. Wieder sind berührende, direkte Lieder entstanden, über das Abenteuer Metro aus der Sicht eines Beeinträchtigten und über seine Liebe zum Leben.
Lisa Ducasse hat auf der fernen Insel Mauritius zum Chanson gefunden und mit 20 Jahren die Liebe in ihren Spielarten und mehr noch ihren Stadien so klug beschrieben, dass die Pariser Chanson-Welt auf sie aufmerksam geworden ist. Jetzt hat sie ebenda, in Paris, ihr erstes Album veröffentlicht, „Iléisme“, mit dem sie klarstellt, dass sie auch von anderen Dingen singen kann, von Straßen und Wüsten z. B., ohne darüber ihre Poesie zu verlieren und: ohne Auto-Tune, nach wie vor.
Oklou schließlich – sprich: Okay-Lou – singt ihrerseits sehr gerne mit Auto-Tune und schafft das kleine Wunder, dass über die Verfremdung ihre Stimme nur vertrauter wird. Die gebürtige Westfranzösin, die seit Jahren in London lebt, hat jetzt endlich (!) ihr erstes Album veröffentlicht, „Choke Enough“ – es ist für mich jetzt schon, ohne mit der Wimper zu zucken, eins der Alben des Jahres 2025. Außerdem Musik von den Wampas, von Manu Chao und von Grand Blanc.
19:00 Uhr HR 2 Hörbar
Singer/Songwriter Jason Isbell ganz pur und nah & mehr Musik grenzenlos
Auf seinem zehnten Album „Foxes in the snow“ ist Jason Isbell erstmals seit knapp 20 Jahren wieder solo unterwegs, ohne seine Begleitband „The 400 Unit“. Und er zeigt ein weiteres Mal, dass er definitiv in die erste Liga der Singer/Songwriter gehört.
19:30 Uhr Ö1 On Stage
Sängerin Amirtha Kidambi und ihre Band Elder Ones beim Jazzfestival Saalfelden 2024
Mit Amirtha Kidambi stellte sich am 24. August 2024 eine neue, frische Stimme der New Yorker Improvisationsszene vor: Geboren in Buffalo als Kind indischer Eltern, verschmilzt die 39-jährige, in Brooklyn, New York City, lebende Sängerin Elemente der karnatischen klassischen Musik Südindiens mit avancierten Interaktionskonzeptionen sowie starken politischen Messages: Im Saalfeldener Konzert, das Kidambi der 2022 verstorbenen Trompeterin Jaimie Branch widmete, stand die Musik des aktuellen Albums „New Monuments“ auf dem Programm. Die Bauernproteste in Indien gegen Premierminister Narendra Modi, die Tötung von George Floyd durch die US-Polizei, Rassismus gegenüber asiatischstämmigen US-Amerikaner:innen, all dem und mehr wurde auf kraftvolle, vielschichtige Weise Ausdruck verliehen, zwischen elaborierter Komposition, freier Improvisation und elektronischen Sounds wechselnd.
19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur Zeitfragen. Feature
„Kontrollverlust“ Der weltweite Handel mit unseren Daten. Von Anna Loll (Wdh. vom 02.09.2024)
Der Umsatz mit Daten liegt nach Schätzungen weltweit im dreistelligen Milliardenbereich. Wer hier womit handelt, ist dabei zum Teil höchst intransparent. Verbraucherinnen und Verbraucher haben kaum Kontrolle, Datenschutzgesetze greifen häufig nicht – auch nicht in Deutschland.
20:00 Uhr Deutschlandfunk Kultur In Concert
„Festival Glatt & Verkehrt“ Krems an der Donau: Mit dem Orchestra Baobab und dem Ensemble B 11
Aufzeichnungen vom 26. und 27.07.2024
Seit 1997 findet im österreichischen Krems das Festival Glatt & Verkehrt statt. Jedes Jahr im Sommer kommen mehr als 5000 Besucher in die Weinberge oberhalb des Donaustädtchens, um dort spannende Musik aus allen Erdteilen zu hören. Volksmusiker, Jazzer, Popstars und Klassiker, dazu Instrumentalvirtuosen aus aller Welt, sie alle treffen hier auf ein interessiertes Publikum. Für „In Concert“ haben wir zwei der Highlights des Festivaljahrgangs 2024 ausgesucht: das Orchestra Baobab aus dem Senegal und das Ensemble B 11 aus Venezuela.
20:03 Uhr ARD Konzert
„Mozart meets America“
hr-Sinfonieorchester; Martin Fröst (Klarinette); Leitung: Riccardo Minasi
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie A-Dur KV 114
Aaron Copland: Klarinettenkonzert
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie C-Dur KV 425 „Linzer“
William Grant Still: 1. Sinfonie „Afro-American“
(Konzert vom 7. Februar 2025 in der Alten Oper Frankfurt)
21:05 Uhr Deutschlandfunk Musik-Panorama
Nathalia Milstein, Klavier
Robert Schumann: „Waldszenen“, op. 82
Franz Liszt: Waldesrauschen / Gnomenreigen
Leoš Janáček: Im Nebel
Robert Schumann: Arabeske C-Dur, op. 18 / Fantasie C-Dur, op. 17
Aufnahme vom 15.11.2024 in der ehemaligen Synagoge Fellheim
Mit Antonia Ronnewinkel
Als erste Frau überhaupt hat sie sich beim Internationalen Klavierwettbewerb in Dublin durchgesetzt und dort 2015 dort den Ersten Preis gewonnen: Nathalia Milstein. Ihr Großvater hat Pianistinnen wie Elisabeth Leonskaja ausgebildet, ihren ersten Klavierunterricht erhielt Nathalia, 1995 in Lyon geboren, im Alter von vier Jahren von ihrem Vater. Anschließend studierte sie bei Nelson Goerner an der Genfer Haute Ecole de Musique und bei Sir András Schiff an der Barenboim-Saïd Akademie in Berlin. Die Französin liebt vor allem die Musik der Romantik und des frühen 20. Jahrhunderts. Beim Konzert in der ehemaligen Synagoge Fellheim spürte sie zunächst den poetischen Naturbildern Robert Schumanns nach – und führte mit leichter Hand ihre Zuhörer durch den bedeutendsten aller romantischen Räume: den Wald.
22:00 Uhr ByteFM Rock The Casbah mit Burghard Rausch
Make Some Noise
In dieser Ausgabe gibt Neues und Aktuelles von La Mafia Del Baile, This Time For Real, Courting, Helltrail, Smash Into Pieces, Bob Mould, Architects, Skunk Anansie, Fontaines D.C., South Arcade, The Darkness (auch wg. des 50.Geburtstages des Sängers und Frontmannes Justin Hawkins), New Model Army, Älteres von New York Dolls (wg. des Todes von David Johansen am 28.02.2025), The Damned (wg. des Todes des Gitarristen Brian James am 06.03.2025), außerdem eindringliche und verschärfte Konzert-/Tourneehinweise/Veranstaltungshinweise für This Time For Real, Skunk Anansie, South Arcade.
22:03 Uhr ARD Jazz. Spotlight
Maria Schneider & die hr-Big Band. Von Karmen Mikovic
Spotify & Co boykottiert sie konsequent und finanziert ihre Musik ausschließlich durch Crowdfunding. Und das seit über 20 Jahren. Erfolgreich, wie die bisher sieben gewonnenen Grammy-Awards beweisen. Ein Porträt der Komponistin, die im Oktober 2024 ihr Werk „Data Lords“ nach Frankfurt am Main zur hr-Bigband gebracht hat.
23:00 Uhr HR 2 Doppelkopf
Am Tisch mit Ulrike Koock, Landärztin a. D.
Ulrike Koock hat sich mehrere Jahre als Landärztin um Patientinnen und Patienten am Rande der Wetterau gekümmert. Der Hals kratzt, das Ergebnis der Darmspiegelung ist da, die Oma japst nach Luft – egal, ob an der Kasse im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Sprechzimmer: Neuigkeiten erfährt die Frau Doktor sofort.
23:03 Uhr SWR Kultur Musikstunde
„Schall und Raum (1/5) – Sakrale Räume“. Mit Sylvia Systermans
Musik ist bewegte Luft. Damit sie klingt, braucht sie einen Raum. Räume formen den Klang, je nachdem ob es sich um eine gotische Kathedrale, einen Konzertsaal oder ein altes Fabrikgebäude handelt. Komponisten machen sich das Wechselspiel von Schall und Raum seit Jahrhunderten zu nutze. Die Musikstunde hört sich in Kirchen, Konzerthäusern und Rundfunksälen um. Sie besucht Orte, die nie für Konzerte gebaut wurden und sie lauscht, wenn Natur zum Klangraum wird. (SWR 2024)
23:03 Uhr WDR 3 Open
Bonn grenzenlos: Over the Border Festival 2025
Das Festival mit internationalen und lokalen Acts der Globalen Musikszene wartet u.a. mit Bosniens Sevdah-Star Božo Vrećo und dem argentinischen Tablao de Tango auf. Ein Ausblick von Antje Hollunder.
23:03 Uhr Ö1 Sound Art: Zeit-Ton
Georgiens Musikszene im Revolutions-Modus (Teil 1) Ein Besuch beim Festival „Close Encounters“ in Tbilisi
„Zeit-Ton“ hat im Februar 2025 das Festival „Close Encounters“ in Tbilisi besucht, das von der in der Schweiz lebenden georgischen Pianistin Tamriko Kortdzaia abwechselnd in ihrer neuen Heimat Schweiz und in ihrer alten Heimat Georgien organisiert wird. Zu erleben waren Konzerte mit den Ensembles KIOSK und u /r aus der Schweiz und den Georgischen Kunstschaffenden Tiko Gogoberidze, Giorgi Koberidze, Nika Machaidze, Alexandre Kordzaia, Natalie Beridze und Sandro Chinchaladze.
Georgische Musikerinnen und Musiker sprechen sich klar und kritisch gegen die Politik ihrer Regierung aus – und lassen die Erlebnisse während der Proteste und auch dort eingefangene Klänge in ihre Werke einfließen.
Zentraler Medienpartner des Festivals „Close Encounters“ war Mutant Radio. 2019 montierte das Team rund um Tata Janashia und Nina Bochorishvili ein kleines Holzhäuschen auf einen Anhänger, um bald darauf von Kulturveranstaltungen im ganzen Land zu senden. In Tiflis steht das mobile Radiostudio auf dem Gelände eines ehemaligen Kraftwerkes am Ufer des Flusses Mtkwari. Im Juni 2022 haben wir hier unseren alljährlichen Shape+ Showcase veranstaltet. Wenige Wochen später wurde Mutant Radio Mitglied unserer Festivalplattform, die 2014 vom ORF Festival musikprotokoll im steirischen herbst mitbegründet wurde. 2022 hatte das Team von Mutant Radio gerade damit begonnen, eines der beiden ihnen zur Verfügung stehenden Gebäude zu einer Konzert-Location umzubauen, nun bot es „Close Encounters“ nicht nur eine Medienöffentlichkeit, sondern auch eine Bühne. Der Zukunft blicken Janashia und Bochorishvili ungeachtet ihres lokalen und internationalen Erfolges mit großer Sorge entgegen.
23:03 Uhr Bayern 2, Bremen Zwei und MDR Kultur Nachtmix
„Blue Monday“ Musik von Étienne de Crécy, Ben Kweller und Haiyti. Mit Ann-Kathrin Mittelstraß
Der French-House-Produzent Étienne de Crécy hat mit „Warm Up“ ein neues Album veröffentlicht, das zum entspannten Vorglühen vor dem Ausgehen genauso geeignet ist wie fürs am Ende doch Zuhausebleiben. Vor allem der Song, für den er Damon Albarn als Gastsänger gewinnen konnte, ist eine melancholische Perle für einsame Nächte. Haiyti lässt auf ihrem neuen Album „Stadium Rock“ die innere Gangster-Rapperin auch mal zwischendrin schweigen und sinniert über verpasste Reisen nach Florenz, wo sie schon immer mal hinwollte. Diese hart-zerbrechliche Seite steht ihr immer sehr gut. Zuletzt auch, als sie Songs von Wolf Biermann interpretiert hat. Und Ben Kweller hält sich weiterhin an der Musik fest, um das Schlimmste zu verarbeiten, was einem Vater passieren kann: ein Kind zu verlieren – seinen 16-jährigen Sohn Dorian. Auf seinem neuen Song bekommt er Beistand von einem Freund aus alten Tagen: dem Schauspieler und Musiker Jason Schwartzman, bekannt aus den Wes Anderson Filmen.