Kölner Kongress 2022 „Die Glut-Theorie der politischen Debatte“ Von Dirk von Gehlen
Dirk von Gehlen ist Autor des Buches „Meme“. Und memeistische Erzählungen, einstmals Internet-Witzchen, spielen eine große Rolle bei Debatten im heutigen digitalen Leben. Wie memetische Muster den öffentlichen Diskurs bestimmen, darüber hat der Autor beim Kölner Kongress 2022 einen Vortrag gehalten, den wir in Essay und Diskurs noch einmal präsentieren.
Welche Erzählung von „Debatte“ bestimmt unsere Vorstellung von politischer Entscheidungsfindung? Ist die Gesellschaft gespalten? Erleben wir eine immer heftigere Polarisierung der politischen Auseinandersetzung? Die Digitalisierung der Kommunikation hat nicht nur neue Verbreitungswege und -räume eröffnet, sondern auch eine memetische Erzählung der Debatte populär werden lassen.
Dirk von Gehlen zeigt auf, wie Muster aus einem Wettstreit der Ideen einen Kampf der Identität gemacht haben. In einem solchen Umfeld „mehr Information“ oder „bessere wissenschaftliche Aufklärung“ zu fordern, gleicht für ihn der Brandbeschleunigung, dem Pusten in glühende Kohlen: Es facht trotz bester Absicht die Flammen neu an, führt aber nicht zu einer konstruktiven Lösung. Um in Zeiten gesellschaftlicher Überforderung und medialer Erregung Ansätze lösungsorientierter Sprechsituationen zu erreichen, müsse man diese memetischen Muster verstehen und daraus Schlüsse ziehen.
Das Buch „Meme. Digitale Bildkulturen“ ist im Wagenbach Verlag erscheinen. Dirk von Gehlen, geboren 1975, versteht das Internet als Heimat. Der Journalist arbeitet als „Director Think Tank“ am SZ-Institut und begleitet den digitalen Wandel in Vorträgen und zahlreichen Büchern. Bei Essay und Diskurs stellte er zuletzt eine Philosophie des Shruggie-Emoticons als das Pragmatismus-Prinzip vor.
© Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 26.5.2022