Kulturforum Reingehört: Radwan Ghazi Moumneh & Frédéric D. Oberland – Eternal Life No End / Constellation Records
Von Gerhard Emmer. Auf Eternal Life No End treffen zwei renommierte internationale Klang-Netzwerker zu ihrer ersten gemeinsamen Duo-Arbeit zusammen: Der libanesisch-kanadische Musiker Radwan Ghazi Moumneh ist unter anderem Kopf des Ambient/Arabic-Folk-Projekts Jerusalem In My Heart, Co-Betreiber des Montrealer Aufnahmestudios Hotel2Tango und Produzent von Ausnahme-Musikerinnen und -Bands wie Matana Roberts, Big I Brave, Sanam und Fly Pan Am, um nur einige zu nennen.
Seinen Kollaborateur Frédéric D. Oberland kennt Moumneh unter anderem von gemeinsamen Studio-Arbeiten für Oberlands Pariser Band Oiseaux-Tempête, seit Jahren mit die spannendste Formation des experimentellen Postrocks, die weit über die Grenzen des Genres hinausblickt. Die französischen „Sturmvögel“ Oiseaux-Tempête beschäftigten sich in der Vergangenheit inhaltlich auf diversen Alben mit der Situation der syrischen und palästinensischen Flüchtlinge im Libanon, mit gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen in der Türkei und im Nahen Osten.
Eindringliches orientalisches Klagen, das neben Sound-Schichten aus den Tiefen der elektronischen Gerätschaften von traditionellem Instrumentarium wie der griechischen Bouzouki oder der türkischen Rabāb begleitet wird, dazu erklingt in entschleunigten, meditativen Momenten der warme, gedehnte Klang von Oberlands Saxophon-Spiel.
Mäandernd zwischen kaum greifbaren Traumsequenzen und der harten Realität, zwischen dunkler Assoziation und hypnotischer Eindringlichkeit – „reflecting a sea of sickness currently drowning the state of humanity“. Ein beklemmender wie unbedingt hörenswerter Klangentwurf zum gegenwärtigen Drama im Nahen Osten.