Klara Lewis: „Melodien aus polnischen Bahnhöfen“ + Video
In Klara Lewis’ Musik verschwimmen die Grenzen zwischen Komposition und Umgebungsgeräuschen.
VON KLAUS WALTER
Sound muss nicht zwingend etwas bedeuten, aber man fühlt etwas. Irgendwie habe ich eine intuitivere und aufrichtigere Beziehung zu Sound.« So begründet Klara Lewis im Wire-Magazin ihre vorläufige Entscheidung, Musik zu machen und nicht, wie eigentlich vorgesehen, Filme zu drehen. Bei ihren Filmversuchen habe sie festgestellt, dass sie schnell beim allzu Offensichtlichen lande und Klischees reproduziere, beim Creative Writing sei es ihr ähnlich ergangen. Um dem Klang, den Klara Lewis auf ihrem zweiten Album »Too« produziert, dann doch Bedeutung abzugewinnen, liegt die Versuchung nahe, diesen Sound, der zunächst einmal hermetisch daherkommt, an ihre Biographie zu koppeln, also ihren Lebenslauf auf bedeutsame Indizien, Spuren und Zeichen abzusuchen.
Ein erster Anhaltspunkt könnte der Albumtitel sein. »Too« klingt gesprochen wie »Two«, es ist Klara Lewis’ zweites Album nach »Ett«. Beide Albumtitel bestehen aus drei Buchstaben. Alle neun Tracks auf »Too« haben nur ein Wort im Titel: »View«, »Twist«, »Too«, »Else«, »Want« etc. Im Deutschen hat »Too« zwei Bedeutungen. Erstens: zu, im Sinne von zu viel, zu spät, zu weit, »Too Old to Rock ’n’ Roll, Too Young to Die«, »The Bed’s Too Big Without You«, »Too Drunk to Fuck«. Zweitens: auch. Allerdings wird es im Englischen, anders als im Deutschen, nachgestellt: »I’m an Alien Too«, »Silence Is a Rhythm Too«. …
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