Milestones: Shirley Scott – „Queen of the Organ“ (1965)

Ihren Ruf als Königin der elektrischen Hammond-B3-Orgel hatte sie sich bereits in den 1950er Jahren erspielt, die als goldene Ära des Instruments gelten. Mit Gerhard Graml.

Shirley Scott, geboren 1934 in Philadelphia, war bekannt für ihren bluesigen Stil, der starke Anleihen an afroamerikanischer Kirchenmusik nahm, vor allem an Gospels und Spirituals. Wie kein anderes Instrument war die Hammond-B3 dazu geeignet, eine Brücke zwischen dem Sakralen und dem Profanen zu schlagen, und erstaunlicherweise gelang es Shirley Scott meist, stilsicher durch die gefährlichen Untiefen zwischen Kommerz und künstlerischem Anspruch zu manövrieren.

Sie veröffentlichte als Bandleaderin mehr als 50 Alben in unterschiedlichen Besetzungen, vom intimen Trio zur Bigband, stilistisch breit gestreut von Bebop und Latin bis zu poppigem Soul-Jazz.
Von der männerdominierten Szene hochrespektiert, spielte Shirley Scott am Anfang ihrer Karriere Mitte der 1950er Jahre Klavier in den Clubs ihrer Geburtsstadt Philadelphia, unter anderem zusammen mit dem jungen John Coltrane. Vom Fleck weg wurde sie dann von Count Basies Tenorist Eddie „Lockjaw“ Davis für dessen Band engagiert, in der sie den Orgelpart übernahm.

Nach dem Ende dieser Partnerschaft heiratete sie 1961 den Tenorsaxofonisten Stanley Turrentine, mit dem sie eine Vielzahl von einflussreichen und stilprägenden Aufnahmen einspielte – unter anderem für die Labels Blue Note, Prestige, Atlantic und Impulse.
Auf letzterem erschien 1965 „Queen of the Organ“, ein Live-Album, das im Zentrum dieser Sendung mit Gerhard Graml steht. Aufgenommen wurde es im Jazzclub The Front Room in Newark, New Jersey, mit Gemahl Turrentine am Saxofon, Bob Cranshaw am Bass und Otis Finch am Schlagzeug. Shirley Scott zieht darauf – auch im eigentlichen Wortsinn – alle Register ihres Könnens, begeistert sowohl mit inspirierter Melodieführung als auch expressiven Akkordimprovisationen und stellt dabei ihre erstaunliche Musikalität unter Beweis – gewissermaßen als Königin auf der Königin der Instrumente.

© Ö1, Milestones, 5.6.2022

Komponist/Komponistin: Jule Styne
Titel: Just In Time
Ausführende: Shirley Scott (Orgel)
Ausführende: Stanley Turrentine (Saxophon)
Ausführende: Bob Cranshaw (Bass)
Ausführende: Otis Finch (Schlagzeug)
Länge: 07:41 min
Label: Impulse AS-81

Komponist/Komponistin: Duke Ellington
Titel: Just Squeeze Me (But Please Don#t Tease Me)
Ausführende: Shirley Scott (Orgel)
Ausführende: Stanley Turrentine (Saxophon)
Ausführende: Bob Cranshaw (Bass)
Ausführende: Otis Finch (Schlagzeug)
Länge: 09:56 min
Label: Imüulse AS-81

Komponist/Komponistin: David Burne
Titel: Rapid Shave
Ausführende: Shirley Scott (Orgel)
Ausführende: Stanley Turrentine (Saxophon)
Ausführende: Bob Cranshaw (Bass)
Ausführende: Otis Finch (Schlagzeug)
Länge: 08:29 min
Label: Impulse AS-81

Komponist/Komponistin: Richard Rodgers/Oscar Hammerstein
Titel: That’s For Me
Ausführende: Shirley Scott (Orgel)
Ausführende: Stanley Turrentine (Saxophon)
Ausführende: Bob Cranshaw (Bass)
Ausführende: Otis Finch (Schlagzeug)
Länge: 07:54 min
Label: Impulse AS-81

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