Home

„Mingus 100“ Ein kleiner Rückblick auf 2 Tage für Charles Mingus mit Konzerten, Film, Lesung in Ilmenau

Ein ambitioniertes Projekt vom 13.5.-.14.5.2022 des dortigen Jazzclubs in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für Politische Bildung. Danke an Christian Daether, der mir seine Fotos vom Konzert mit David Murrays Brave New World Trio zur Verfügung gestellt hat.

Angetrieben durch die jungen Musiker seines neuen Trios „Brave New World“ spielte David Murray mit einem Verve wie ich es nur selten erlebt habe. Er selbst spornte sie immer wieder an und sie hatten viel Raum für ihre Soli. David Murrays Soli im Verlauf des Konzertes wurden immer expressiver.


David Murray

Für Charles Mingus spielte er eine Solonummer auf der Bassclarinette, was auch eine Referenz an Eric Dolphy war, und erzählte von seiner Begegnung mit Mingus, dessen große Leidenschaft das Essen war.


Hamid Drake

Hamid Drake am Schlagzeug und Brad Jones am Bass waren das Fundament für die Höhenflüge von David Murray und in ihren Solostücken wussten sie zu begeistern und das zahlreiche Publikum dankte es ihnen mit viel Applaus.


Brad Jones

Und so tänzelte David Murray durch den Raum und obwohl er mittlerweile 67 Jahre ist, wirkte er um einiges jünger. Die über 100 Zuhörer forderten 2 Zugaben und so konnten wir ganze 2 Stunden die Musik dieses Trios erleben.
Das war unbestritten der Höhepunkt der 2 tägigen „Mingus 100“ Tage in Ilmenau.


Begonnen hatte es am Freitag mit dem Projekt „Kryptographie – Notizen eines alten Mannes, der zufällig Charles Mingus hieß“ über Charles Mingus von Harry Lachner und Michael Riessler.
Es schildert in Wort und Ton die letzten Tage von Charles Mingus. Zerissen vom eigenen körperlichen Verfall und eingeschlossen in einem Körper der einem nicht mehr gehört – er ist an ALS gestorben – und den verschiedenen Ich’s die ihn lebten. Der Schauspieler Stefan Hunstein interpretierte den Text von Harry Lachner sehr kraftvoll und ausdrucksstark, was sich sehr gut mit der expressiven Musik von Michael Riessler verband. Insgesamt ein sehr stimmiges Projekt, dem ich mehr Öffentlichkeit wünsche.
Überhaupt waren die Zuschauer Zahlen leider gering und das trotz Werbung, Flyern und das ganze auch noch überregional. Traurig, dass so ein tolles und interessantes Projekt nicht die entsprechende Resonanz fand.



Am nächsten Tag folgte ein Vortrag und anschließender Diskussion von Musikwissenschaftler Harald Kisiedu über Rassismus und Ausgrenzung im Jazz.
Später wurde dann der Film „I am not your Negro“ von Raoul Peck gezeigt. Ein Film über James Baldwin und für mich verbunden mit der Erkenntnis, daß wir hier keinerlei Ahnung haben, was tatsächlich jeden Tag in Amerika passiert. Ich bin jedesmal geschockt über die Bilder des Hasses. Ein ungemein wichtiger Film, der auch die Geschichte der großen Männer wie Malcolm X oder Martin Luther King ist. Dieser Film über die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung von den Anfängen bis heute ist – leider – immer noch sehr aktuell.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert