Musik aus dem „Wilden Osten“ – Das Eigene im Fremden
Für viele junge Schweizer ist Osteuropa eine Quelle musikalischer Inspiration. Wenn sie aber Gipsy-Swing, Klezmer und Balkan-Blasmusik interpretieren, mischen sie sich daraus ihre eigene Musik.
Von
Wie lustig ist das Zigeunerleben? Dem Schein nach sehr lustig: Man hat dem Kaiser keinen Zins zu geben, man kann im grünen Wald nächtigen, und braucht man etwas Geld, einen Taler oder zwei, spielt man Zigeunermusik. Solche Phantasien stimulierten die Fahrenden bei Sesshaften immer wieder. Man erträumte sich den sogenannten Zigeuner als romantisches Wesen, als «guten Wilden». Man besang ihn als Liebhaber oder Freiheitshelden in Operetten wie «Der Zigeunerbaron». Und wenn ein Fiddler spielte auf dem Dach, liess er mit Sentimentalität die Verkrustungen zivilisierter Seelen schmelzen.
Eine Art Weltmusik
Mit Zigeunerklischees mögen Künstler regelmässig in die Fettnäpfe des Kitsches abtauchen. Eine andere Geschichte aber ist die Musik der Fahrenden. Von Gipsy-Swing bis Flamenco – sie fasziniert immer wieder durch ihre klangliche Melange. Als eigentliche Weltmusik schwebt sie dabei zwischen global und lokal…
© NZZ,