Musikproduzent Brian Eno wird 70 „Ich bin ein Kind mit einem Malkasten“ / Brian Eno im Gespräch mit Marcel Anders
Er gilt als Großmeister der elektronischen Musik: Brian Eno wird am 15. Mai 70 Jahre alt. „Ich hege keine Gefühle, was mein Alter betrifft“, sagt Eno und spricht lieber über Kreativität, Inspiration und wie aus Wiederholungen Neues entsteht.
Marcel Anders: Herr Eno, die meisten Ihrer Kollegen und Weggefährten sind längst in Rente oder recyceln nur noch alte Ideen. Sie dagegen sind weiter auf der Suche. Darf man fragen, was Sie antreibt?
Brian Eno: Wenn ich mir die Kunstwerke vor Augen führe, die in verschiedenen Phasen meines Lebens entstanden sind, dann ging es mir eigentlich immer nur darum, etwas zu kreieren, das ich gerade – in dem speziellen Moment – vermisst habe. Die ruhigste Musik, die ich je gemacht habe, entstand zum Beispiel zu der Zeit, als ich in New York gewohnt habe, an einer der verkehrsreichsten Kreuzungen der Stadt. Unter meinem Loft fuhren ständig große LKWs vorbei. Weshalb es sehr laut war und das Gebäude von Zeit zu Zeit regelrecht gewackelt hat. Trotzdem habe ich ausgerechnet dort „On Land“ aufgenommen – ein leises Album, das klingt als wäre es in der Natur entstanden. Es ging mir darum, einen Ort zu erschaffen, an dem ich gerne wäre, aber nicht bin. Und bei meinen Installationen denke ich: Wenn ich in einer Stadt bin, wo würde ich gerne hingehen? Und das sind vor allem Orte, an denen die Zeit stehengeblieben scheint: Galerien, Museen, Kathedralen, Parks – die einen Gegenpol zur Hektik der jeweiligen Stadt bilden….
© Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 2.5.2018