Musiktipps

Nils Frahm und der Irrweg der Neoklassik

Der Pianist und Soundkünstler trat am Wochenende im Linzer Brucknerhaus und im Wiener Konzerthaus auf. Von Ljubiša Tošić.

Er hört gern Conlon Nancarrow, jenen US-Komponisten, der auch für rasendes Selbstspielklavier Stücke schrieb. Auch der Klassiker der Avantgarde György Ligeti befindet sich in seiner Hörzone wie auch Musikerfinder John Cage, der die Emanzipation von Geräusch und Stille originell propagierte.

Gleichzeitig aber findet der Hamburger Nils Frahm, es sei die Eingemeindung seiner Musik in den Trend der Neoklassik unpassend. Tatsächlich hat dies etwas von einem – natürlich marketingmäßig lukrativen – Missverständnis. Es verzwergt Frahm zum Bewohner jenes Vorzimmers, in dem junge Hörende an die Klassiker der Klassik herangeführt werden. Im Hauptraum würden dann Größen wie Beethoven und Bruckner warten. Im Guardian wurde Frahm einst aber gar schon als „Neuerfinder der Klassik“ bezeichnet.



© Der Standard, Kultur, 24.5.2024

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