Die Langzeit-Wirkung von Charlie Parker (1920-1955), Jazz-Revolutionär, Sax-Virtuose und unvergessenes Idol einer Ära, ist bis jetzt nicht abgeflaut. Konträr gilt…
Den Eigenschwingungen vertrauend, haben einige Jazzer ohne Begleitung (außer gegebenenfalls durch sich selbst im Mehrspurverfahren) persönliche Sujets dargestellt. Mit Alice Coltrane, Stephan Micus, Eberhard Weber, Tuomas A. Turunen und Aki Rissanen.
Ihrem Ehemann John ideell folgend, wandte sich Alice Coltrane meditativen Praktiken aus Indien zu, ließ sich zum Guru ausbilden und gründete ihren Ashram 1981 nahe Los Angeles. Für ihre Studierenden komponierte sie „Kirtan: Turiya Sings“, spirituelle Songs, die zunächst auf Kassette, jetzt als von ihrem Sohn Ravi produziertes Album postum herausgekommen sind. Ein ziemlich exotisches Projekt, denn Alice Coltrane füllt in Sanskrit deklamierte Mantras mit Gospel- und Jazz-Akkorden an der Orgel, sodass doppelte Spiritualität entsteht: aus monoton wiederholtem Silben-Cantus und christlichem Kirchengefühl. Scheinbar disparate Sphären fügen sich da in unerwarteter Kohärenz. (Impulse)
© NMZ, 4/2022 – 71. Jahrgang
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