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„Original Sin“ Der Gang der Frau im Sozialismus

Eine wahre Geschichte: Während die DDR ihre antifaschistische Schutzmauer um Berlin errichtet, gelingt es Luise Brand, ein majestätisches Haus in Übermasstedt, einem Dorf in Thüringen, zu bauen, in dem sie mit ihrem älteren Ehemann, ihrem jüngeren Liebhaber, zwei Töchtern und zwei Hunden zusammenlebt. Verhältnisse, die nicht nur gegen sozialistische Moralvorstellungen verstoßen.

Ein Haus, mit Wänden doppelt so dick wie die Berliner Mauer. Diese Mauer ist weg. Luise Brand ist tot. Der DDR-Sozialismus ist gescheitert. Übermasstedt ereilte ein böses Schicksal. Kapitalismus. Das Haus lebt. Es lebt und es ist nicht schön.

Die Schauspielerin Susanne Sachsse verwandelt die Geschichte ihrer konfliktbeladenen Bewunderung für ihre Großmutter Luise Brand in eine Hörspiel-Roadmovie-Revue – zwischen autobiographischer Wirklichkeit, hyperrealen Flashbacks, Hollywood-Musical und strengen Kamerawinkeln. Sachsse schlägt den Bogen von der radikal subjektiv erzählten Familiengeschichte hin zu zeitgeschichtlichen und ästhetischen Fragen: Wie war der Alltag einer berufstätigen Frau mit zwei Kindern in der DDR? Was ist der Unterschied zwischen einem Haus im Sozialismus und im Kapitalismus? Was passiert im Radio, wenn filmische Einstellungsgrößen den akustischen Raum abzustecken versuchen?



© NDRKultur, Hörspiel, 24.5.2023

Original Sin. Der Gang der Frau im Sozialismus
Chorführer: Gotthard Lange
Chor: Senol Senturk, Martin Siemann, Achmed Konstantin Bürger, Marc Siegel und Richard Gabriel Gersch
Komposition: XIU XIU
Einspielung: Angela Seo und Jamie Stewart
Gesang: Vaginal Davis, Susanne Sachsse, Marc Siegel und Jamie Stewart
Technische Realisation: Corinna Gathmann, Rudolph Grosser, Nicole Graul und Boris Wilsdorf
Regieassistenz: Simon Hastreiter
Regie: Susanne Sachsse
Dramaturgie: Michael Becker
Produktion: NDR 2019

Susanne Sachsse ist Schauspielerin. Sie war Mitglied des Berliner Ensembles, wo sie mit Heiner Müller, Robert Wilson und Einar Schleef gearbeitet hat. International bekannt ist sie zuerst für ihre Hauptrollen in mehreren Filmen von Bruce LaBruce, darunter „The Raspberry Reich“ (2004), „Pierrot Lunaire“ (2016) und „The Misandrists“ (2018). Sie arbeitet im Performance-, Film-, Kunst- und Musikkontext, unter anderem mit Yael Bartana, Zach Blas, Phil Collins, Vaginal Davis, Maurice de Martin, Josiah McElheny, Vegard Vinge / Ida Müller and Xiu Xiu. Im Rahmen des deutschen Pavillon bei der 2019 Biennale in Venedig hat sie Helene Duldung gespielt, die Sprecherin der Künstlerin Natascha Süder Happelmann. Zurzeit tourt sie mit Ligia Lewis’ „Water Will (A Melody)“. Sachsse ist Texterin, Sängerin und Bassistin der Band GIRLS. 2017 wurde sie auf dem Guadalajara International Film Festival mit dem Premio Maguey Queer Icon Award ausgezeichnet.

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