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Prestomusic Jazz Release Tipp: Immanuel Wilkins Quartet: Live at the Village Vanguard Vol. 1/ Blue Note

Von Maddy Allison. „Live At The Village Vanguard Vol.1“ fängt nicht nur das beachtliche Talent von Wilkins als aufstrebendem Jazzstar ein, sondern lässt auf unerklärliche Weise auch die Klänge seiner Vorfahren wieder aufleben, die auf genau derselben Bühne gespielt haben.

Die Platte stützt sich stark auf die Tradition des Genres, aber auch auf die Magie, die über die Jahrzehnte hinweg in den Veranstaltungsort eingewoben zu sein scheint. Da es sich erst um den ersten von drei Bänden handelt, ist es eine sichere Sache, dass die beiden folgenden Bände Wilkins’ Stimme sowohl als eifrigen Schüler des Genres und der Großen als auch als mutigen Mitgestalter der Zukunft festigen werden.


Immanuel Wilkins Quartet: Live at the Village Vanguard Vol. 1

Für jeden Jazzmusiker ist es ein entscheidender Moment, wenn er vor Publikum an einem renommierten und weltweit anerkannten Veranstaltungsort auftritt – besonders, wenn es das erste Mal ist. Vom Londoner „Ronnie Scott’s“ bis zum Tokioter „Blue Note“ haben sich diese legendären Veranstaltungsorte international einen Namen gemacht, weil dort einige der bahnbrechendsten und kreativsten Auftritte aller Zeiten stattfanden, und nirgendwo trifft dies mehr zu als im New Yorker „Village Vanguard“.

Von John Coltrane und Sonny Rollins bis hin zu Miles Davis und Thelonious Monk hat der New Yorker Club einige der größten Namen der Branche zu Gast gehabt, und seit letztem Jahr steht ein weiterer vielversprechender junger Künstler auf der Liste: der Saxophonist Immanuel Wilkins.

Wilkins (noch nicht einmal dreißig Jahre alt) gilt als einer der prominentesten Nachwuchskünstler von Blue Note und hat sich mit seinem kühnen und ausdrucksstarken Saxophonspiel bereits einen beachtlichen Ruf erarbeitet; durch seine Mitgliedschaft in der Supergroup „Out Of/Into“ des Labels hat er sich neben einigen der besten zeitgenössischen Jazzmusiker behauptet. So ist es kaum verwunderlich, dass er im vergangenen Jahr einen weiteren großen Schritt wagte und im Mai an zwei Tagen auf die legendäre Bühne des Village Vanguard trat, um dort drei Alben mit insgesamt dreizehn Titeln aufzunehmen.

Intellektuell und umfangreich ist dieses Album der erste Teil, der drei Eigenkompositionen von Wilkins sowie einen Titel von Alice Coltrane enthält. Die Titel sind zwischen zehn und fast zwanzig Minuten lang und erfordern jeweils konzentriertes und aktives Zuhören – es ist anspruchsvolle Musik, weit entfernt von den Easy-Listening-Klängen, die man sich beim Plaudern und einem Glas Wein zum Abendessen anhört. Doch wenn Sie technische Fertigkeiten und improvisatorisches Können schätzen, werden Sie kaum etwas Besseres finden.

An der Seite von Wilkins stehen seine bewährten Quartettmitglieder: der Pianist Micah Thomas, der Bassist Ryoma Takenaga und der Schlagzeuger Kweku Sumbry. Alle machen sich bereits im Eröffnungsstück bemerkbar, einem Titel aus Wilkins’ Debütalbum „Omega“: „WARRIORS“. Sumbrys dynamisches und lebhaftes Schlagzeugspiel hält das Tempo und die Energie aufrecht, was von Wilkins’ farbenreichem Spiel vom Anfang bis zu seinem ersten ausgedehnten und technisch anspruchsvollen Solo mehr als ergänzt wird. Thomas hält sich zurück, um maximale Wirkung zu erzielen, sodass der Zuhörer Takenagas flinkes Bassspiel im Hintergrund hört, das eine besondere Erwähnung verdient, und Thomas kehrt etwa zur Hälfte des Stücks für sein eigenes Solo zurück, mit vielen unerwarteten Rhythmen, die einen im Ungewissen lassen.

In „COMPOSITION II“ verlangsamt sich das Tempo etwas, mit einem zarten Auftakt von Wilkins und Thomas. Auch wenn es dem Stück an der hartnäckigen Leidenschaft des Openers mangelt, ist es nicht weniger eindringlich, und Wilkins wechselt zwischen einem luftigeren, leichteren Ton und einem volleren Klang. Eine subtilere Begleitung durch das Ensemble funktioniert hier gut, obwohl Takenaga die Gelegenheit erhält, in seinem gemächlichen, aber herzlichen Basssolo zu glänzen, was für einen schönen Moment auf dem Album sorgt.

„CHARANAM“ beginnt mit einem bluesigen Klavierintro, das sofort den Ton angibt und eine Hommage an Alice Coltranes spirituelles, auf Sanskrit basierendes Original aus ihrem 1982er Album „Kirtan: Turiya Sings“ darstellt. Dieser Track greift die meditative Atmosphäre auf, behält aber dennoch seine Kraft bei, bis hin zu Sumbrys rollendem und doch perkussivem Schlagzeugspiel und Thomas’ farbenreichen Akkorden, die unter Wilkins’ beschwingter Saxophonlinie mitschwingen. Wilkins stürzt sich in ein technisch ambitioniertes Solo, und das Ensemble wird allmählich chaotischer, während sich das Stück weiter aufbaut.

Harmonie und Rhythmus werden wilder und freier, bis die Hauptmelodie zurückkehrt und mit ihr mehr Ordnung und eine ruhigere Dynamik.

Schließlich beschließt „ETERNAL“ diesen Band mit einem mäßig energiegeladenen Anfang, der allmählich in etwas weitaus Introspektiveres übergeht, und Wilkins’ lebhaftes Solo geht in einen spärlicheren Klang über, der den verbleibenden Teil des Stücks ausmacht. Ein deutlicher Stimmungswechsel: Dieser Abschnitt ist viel langsamer – und anstatt sich weiter aufzubauen, kreist er um dieselbe Idee, bis die Musik langsam verhallt.

© Prestomusic, Recording of the Week, 20.3.2026

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