„Punkige Krauts“ Wie die Punkband S.Y.P.H. Anfang der Achtziger den Krautrock aufleben ließ
Von Dierk Saathoff (JungleWorld). Für die deutsche Punkband S.Y.P.H. ging ein Traum in Erfüllung, als sie mit dem Can-Bassisten Holger Czukay Anfang der Achtziger zwei Alben aufnahmen.
Diese sind zusammen mit einer Compilation von raren Songs neu veröffentlicht worden und zeigen, dass S.Y.P.H. nicht nur den Krautrock verarbeiteten, sondern musikalisch ihrer Zeit auch voraus waren. Harry Rag, bürgerlich: Peter Braatz, stand als Teenager auf Can, gründete sogar den wohl ersten Fanclub für sie und interviewte 1976 ihren Bassisten Holger Czukay – für seine Schülerzeitung. Die Krautrockband galt zwar als was für kiffende Hippies, doch Rag »fand das gar nicht nötig, Can zu hören und dann auch noch zu kiffen«, vermutlich wegen der hypnotischen Sounds der Band, wie er Jürgen Teipel für dessen Buch »Verschwende deine Jugend«, erschienen 2001, erzählte.
Eine Musik, die sich zum Kiffen wirklich überhaupt nicht eignet, bekam er dann zur selben Zeit von seinem Freund Thomas Schwebel vorgestellt: die »neue Musik aus England«. Mit seiner Liebe zu Can konnte Rag den Punk aber ohne Probleme vereinbaren; sein Pseudonym bezog sich ja auf einen Song der englischsten aller englischen Bands, The Kinks.
© JungleWorld, Dschungel, 24.7.2025