„Quartett der Genies“ Joshua Redman, Brad Mehldau, Christian McBride, Brian Blade „LongGone“

Die Musiker um Joshua Redman legen mit ihrem neuen Album eine grandiose Klammer um ein Vierteljahrhundert Jazzgeschichte. Von Andrian Kreye.

Es gibt für alles eine Vorgeschichte. Wenn man also wissen will, warum der Jazz heute so relevant ist, wie seit den Sechzigerjahren nicht mehr, und vor allem, warum er auch wieder so viel Spaß macht wie damals, landet man bei den Aufnahmen zu Joshua Redmans Album „MoodSwing“. Im kalten New Yorker März 1994 spielte er das mit einem jungen Quartett ein. Das fand sich neulich wieder im Studio zusammen und legte eine furiose Klammer um ein Vierteljahrhundert Jazzgeschichte.

Damals war das Studio die Power Station, was schon mal darauf hindeutet, wie viel die Plattenfirma trotz der Jazzflaute auf die Session gab. Dort nahmen sonst Leute wie Bruce Springsteen, David Bowie oder Billy Joel auf. Nicht ganz billig, der Laden. Diesmal war es das Sear Sound Studio, das eine ähnlich kalibrige Kundenliste vorweisen, aber mit dem Jazz besser umgehen kann, weil sie dort eine der weltweit besten Sammlungen analoger Aufnahmegeräte haben. Das hört man dem neuen Album an. Das klingt satter, runder, wärmer.



Vierteljahrhundert später zerlegen die vier den Gassenhauer zu einem Konstrukt, in dem die vier Ausleger eine gemeinsame Mitte umspielen, die man wie in einem Mobile von Alexander Calder nicht sehen kann. Aber man weiß, dass die Schwerkraft sie vorgibt. Alles mag frei schweben, aber letztlich bleibt alles in sich stimmig.




© Süddeutsche Zeitung, Kultur, Musik, 20.9.2022

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