Red Hot Org: „Transa“ – Bald wird die Sonne wieder scheinen
Von Klaus Walter (FR). Einst kämpfte die Red Hot Organization mit den Mitteln des Pop gegen Aids, jetzt erscheint nach langer Pause ein widerständiges musikalisches Mammutprojekt.
Seit 1989 kämpft die Red Hot Organization aus New York gegen Aids, „mit Mitteln der Popkultur“, so die Selbstauskunft. 20 Benefiz-Compilations hat die Non-Profit-Organisation veröffentlicht, angefangen mit „Red Hot + Blue“, ein Tribute-Album für Cole Porter, dessen Homosexualität ihn nicht daran hinderte, einige der populärsten Liebeslieder des 20. Jahrhunderts zu schreiben: „Love For Sale“, „I’ve Got You Under My Skin“, „True Love“. Der Song von der wahren Liebe wird 1956 berühmt durch den Film „Die oberen Zehntausend“, gesungen von Bing Crosby und Grace Kelly.
Über die Jahre wird „True Love“ immer wieder aufgenommen, meist von Männern, deren Heterosexualität außer Frage steht: Elvis Presley, George Harrison, Shakin’ Stevens, Freddy Quinn, dazu Heino nebst Gattin Hannelore. Dass auch schwule Stars wie Richard Chamberlain und Elton John sich zur „True Love“ bekennen, schadet weder ihrem eigenen Status noch dem des Evergreens. Interessanterweise fehlt der Song 1990 auf der ersten „Red Hot + Blue“-Compilation, die sich über eine Million Mal verkauft. Der Erfolg verdankt sich einem komplizierten Spagat: Große Namen garantieren Reichweite: U2, Annie Lennox, Sinead O’Connor, Tom Waits, Debbie Harry und Iggy Pop. Unter den 20 Acts weichen nur drei von der Heteronorm ab: Erasure, Jimmy Somerville und k.d.lang.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, Musik, 16.1.2025