Release Tipp: Christopher Colm Morrin – Sketches 1-17 / Stray Signals
Ich kann es wirklich nicht in Worte fassen, seine Musik klingt so vertraut, als wäre sie schon immer da gewesen, als hätte ich sie schon immer gehört. Die Skizzen von Christopher Colm Morrin sind von einer einfachen, faszinierenden Klarheit und Schönheit. Und sie entwickeln sich, nehmen sich die Zeit, die sie brauchen, inklusive Pausen. Ich lasse mich gern und immer wieder in sie fallen.

„Die Dinge brauchen die Zeit, die sie brauchen“, schrieb die Dichterin Mary Oliver und verriet mit nur wenigen einfachen Worten so viel über das Leben. Wenn wir an Kunst denken, denken wir oft an Ergebnisse: ein Lied, ein Theaterstück, ein Gemälde … aber wenn wir den Künstlern zuhören, sprechen sie meistens nur über den Prozess, der zu diesen Ergebnissen geführt haben, genauso wie der Bäcker mit dem Backen beschäftigt ist und der Gärtner mit der Gartenarbeit. Das Brot und die Blumen brauchen ihre Zeit, um zu reifen.
Sich auf die Praxis zu konzentrieren, scheint in einer Welt, die vom Ergebnis von Prozessen besessen ist, ein sehr radikaler Ansatz zu sein, vor allem, weil Ergebnisse konsumiert und besessen werden können. Ein Musiker, der auf der Suche nach Klang ist, anstatt den Songs hinterherzulaufen und sie einzufangen, strebt danach, Duchamps Worten, „das Unsichtbare sichtbar zu machen“ oder in diesem Fall, die Stille in Musik zu verwandeln, und genau so sind Sketches 1-17 entstanden.

Mitten im Winter, im Jahr 2021, saß der Künstler Christopher Colm Morrin plötzlich über die Feiertage allein zu Hause fest. Mit dieser abrupten Planänderung konfrontiert, beschloss er, sich ganz darauf zu konzentrieren, ein Klangarchiv zu erstellen, mit einer Gitarre und ein paar einfachen Pedalen zu experimentieren und alle Aufnahmen in einem Ordner mit dem Namen „Skizzen“ zu speichern. Die Musik kam roh und aufrichtig heraus, wie der Flusslauf mit seinen Gezeiten – manchmal kaum wahrnehmbar, dann wieder übermächtig, weil alles um ihn herum mit ihr verschmilzt.
Skizzieren ist ein Akt, bei dem einer Idee oder einer Empfindung, die uns umgibt, Gestalt verliehen wird, die flüstert und darauf wartet, eine Art von Materialität zu erhalten, hörbar oder sichtbar zu werden, erlebbar zu werden. Die tiefgründige Schönheit einer Skizze liegt in ihrer rauen Einfachheit und ihrer starken gestischen Natur, die uns irgendwie das Gefühl geben, dass Teile ihres Schöpfers in diesem einzigartigen und singulären Moment der Schöpfung enthalten sind.
Eine Skizze ist ein Zeugnis von Stille und Aufmerksamkeit, ein durchbrechender Lichtstrahl im Sturm der Ablenkung. Die Skizzen 1–17 zeichnen mit ihren farbenfrohen und aufrichtigen Linien und ihrer ehrlichen Darstellung mit Hingabe einen Gesang auf Zeit und Ort, auf das Hier und Jetzt, und lassen den Dingen die Zeit, die sie brauchen.
© Text: Liner Notes