Ruben Jonas Schnell (ByteFM): „Ich höre alles, was mich beeindruckt oder berührt“

Ruben Jonas Schnell hat den Hamburger Radiosender ByteFM gegründet. Ein Gespräch über Kopfhörer unter der Bettdecke, schottischen Jazzrock und die Podcast-Welle. Von Jan Freitag.

taz: Herr Schnell, Sie machen mittlerweile mehr als die Hälfte Ihrer 53 Lebensjahre Radio …

Ruben Jonas Schnell: Mehr als die Hälfte meines Lebens? Das habe ich mir so noch nie vergegenwärtig.

Woher rührt die langjährige Leidenschaft für Ihr Medium?

Noch aus meiner Kindheit. Radio will ich eigentlich machen, seit ich 13 Jahre alt bin. Als ich damals von der Schule nach Hause kam, sah ich meine Mutter meistens am Radio sitzen, Zeitung lesen und die NDR-Sendung – Ältere erinnern sich – „Musik für junge Leute“ hören. In einer Zeit, als auch ich mich langsam intensiver für Musik zu interessieren begann, brachte mir das die Emotionalität im Radio so nah, dass ich später den „Nachtclub“ mit Kopfhörer unter der Bettdecke gehört habe und so was Ähnliches auch machen wollte.


Ruben Jonas Schnell (53), zog von Hannover zum Studium nach Freiburg. Dort begann er als Musikredakteur bei Radio Dreyeckland. Ab Ende der 1990er moderierte er im NDR den „Nachtclub“. 2007 gründete er ByteFM.


Wie haben Sie die Liebe zum Radio aus der analogen Epoche in die digitale gerettet?

Das hat wohl damit zu tun, dass ich ein obsessiver Typ bin. Wenn ich mich geschmacklich in irgendetwas festbeiße, lasse ich nicht so schnell los und bleibe dem treu. Diese Loyalität meinen eigenen Entscheidungen gegenüber ist vermutlich Teil meines Charakters. Als Teenager war ich auch fasziniert vom Fernsehen, hatte ihm aber nie die gleiche Bedeutung beigemessen wie dem Radio und deshalb auch keinen Fernseher, als ich von zu Hause ausgezogen bin….



© TAZ, Kultur, 20.12.2021

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