Stax-Records-Gründer Jim Stewart gestorben
Der Visionär aus Tennessee durchbrach Rassenschranken und produzierte Soul-Hits und Weltstars. Er wurde 92 Jahre alt. Von Karl Fluch.
Es ist eine dieser Geschichten, die zeigen, dass ein Schwarz-Weiß-Denken nichts bringt. Das Leben findet dazwischen statt. Jim Stewart war eine wesentliche Figur der Popmusik. Eine Zuschreibung, mit der er selbst nicht viel anzufangen gewusst hätte, er galt als zu bescheiden, um sich in die Nähe von Superlativen zu begeben.
Und doch: Ohne ihn hätten die Beatles nicht Limousinen zum Flughafen geschickt, als die Stax-House-Band zum ersten Mal mit Stars des Labels nach England reiste. Ohne ihn wären hunderte Hip-Hop-Alben um wesentliche Samples ärmer, ohne ihn wäre die Vision von schwarzen und weißen Musikern in einer Band nicht so bald selbstverständlich geworden.
Jim Stewart gründete zusammen mit seiner Schwester Estelle Axton das Stax-Label in Memphis, Tennessee. Stax wurde in den Jahren seines Bestehens zum wichtigsten Southern-Soul-Label. Ein Verlag, aus dem Oscar-Gewinner hervorgingen wie Isaac Hayes, Weltstars wie Otis Redding, Naturtalente wie Carla Thomas und dutzende andere. Nun ist Jim Stewart gestorben.
der Standard, Kultur, Musik, 6.12.2022