Stephen Sondheim: Ein Revolutionär der Musik

Stephen Sondheim machte als Komponist, Texter und Stofferfinder aus dem Musical eine wahre Kunstgattung. Nun ist er im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Reinhard Köchl.

Geht es bei Musik vor allem um Unterhaltung? Oder ist da mehr, ein tieferer Sinn, ein psychologisches Regulativ, nicht ganz unähnlich einem gewaltigen emotionalen Dimmschalter, der das innere Licht im Menschen wahlweise grell strahlen lässt oder ins Dunkle führt? Hätte man Stephen Sondheim gefragt, hätte er gesagt, aus vollem Herzen: Da ist mehr.



Denn Sondheim, der als 27-Jähriger bereits berühmt wurde für die Lyrics, die er für den Welterfolg West Side Story schrieb, war kein Komponist und Librettist im traditionellen Sinn. Er machte sich Gedanken über Musik, über ihre Wirkung, über Texte und Handlungen; er wusste, dass Musik uns Menschen von Geburt an prägt, im tiefsten Inneren berührt und uns zu Höchstleistungen bringen, aber auch unseren Intellekt und unser kollektives Bewusstsein befeuern kann. Musik hat einen direkten Zugang zu Emotionen und Gedanken, sie kann Menschen nachhaltiger, tiefer, umfassender beeinflussen in ihrem Denken und Fühlen als Gespräche oder die Lektüre von Büchern.

© Zeit Online, Kultur, 27.11.2021

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