Studio Neue Musik: „Quartett im Blackout“ Georg Friedrich Haas: Streichquartett Nr. 9

Kaum ein anderer Komponist setzt sich so intensiv wie Georg Friedrich Haas mit der Möglichkeit auseinander, im Dunkeln zu musizieren. Das Prinzip hat Haas in mehreren Werken erprobt. In seinem 3. Streichquartett In iij Noct. (2001) spielt er an auf die Tradition der österlichen Tenebrae-Responsorien, die in völliger Finsternis gesungen werden.

Dunkelheit ist hier nicht metaphorisch, sondern das eigentliche Thema der Musik. ŠWar das 3. Streichquartett noch als Verbalpartitur notiert, so sind im ebenfalls „nächtlichen“ 9. Quartett (2016) die Prozesse wesentlich komplexer. Haas komponiert die Musik nicht en Detail, er präsentiert stattdessen „rohes, akustisches Material“ und fordert die Ausführenden auf, „mit der Struktur frei zu spielen“. Sie müssen das Material für das rund 50-minütige Stück memorieren, einzelne Passagen selbst gestalten, einzelne Elemente nach bestimmten Spielregeln schichten und kombinieren. ŠFür Haas ist es ein lang gehegter Traum. „Für die Dunkelheit zu komponieren unterscheidet sich grundlegend vom traditionellen Komponieren“. Das Stück ist ein „Prozess für Einzelpersonen, gezwungen, isoliert aufzutreten und nur akustischen Kontakt mit ihren Partnern zu haben.“ ŠWesentlich für Haas ist die Erkenntnis, dass „das Spiel im Dunkeln eine ganz andere Musizierhaltung erfordert als das übliche Zusammenspiel. Man ist noch mehr „auf den Klang angewiesen und kann nur mit dem Klang kommunizieren.“ Alle tragen noch mehr als sonst Verantwortung für das Ganze.



Georg Friedrich Haas: Streichquartett Nr. 9;
JACK Quartet

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