Studio Neue Musik: „Sprachlose Stimme des Stummfilms“ Aus Werke von José M. Sánchez-Verdú und Reinhard Febel
Still war der Stummfilm nie. Pianisten, Kinoorgeln oder Stehgeiger sorgten dafür, Geräusche des Projektors und des Publikums zu übertönen, zugleich erzeugten sie Atmosphäre und Emotionen. Musik gibt dem Stummfilm eine sprachlose Stimme. Auch nachträglich, wenn keine originale Musik überliefert ist.
Zwei aktuelle Versuche, Stummfilme neu zu „vertonen“, sind im Auftrag des WDR und zdf/ARTE entstanden, werden hier in Neuaufnahmen vorgestellt. José M. Sánchez-Verdú hat sich „La chute de la Maison Usher„ von Jean Epstein vorgenommen und damit einen Klassiker des Genres. Er schreibt seiner Musik eine Geistertonspur ein, so unheimlich, wie der Riss, der schon in Edgar Allan Poes Vorlage das Haus zum Einsturz bringt.
„Ménilmontant“ von Dimitrij Kirsanoff gilt als einer der radikalsten Stummfilme. Er visualisiert die Geschichte zweier junger Frauen im Paris der 1920er Jahre. Reinhard Febel greift in seiner Musik das Geschehen auf, verhält sich zugleich kontrapunktisch zu den Bildern, um komplexe Beziehungen zwischen Handlungen, Personen und Orten zu ermöglichen.
Mit Ausschnitten aus:
José M. Sánchez-Verdú
La chute de la maison Usher (2019)
Musik für Orchester zu Jean Epsteins Stummfilm (1928)
WDR Sinfonieorchester
Leitung: Mariano Chiacchiarini
Reinhard Febel
Ménilmontant (2020)
Musik für Orchester zu Dmitri Kirsanoffs Stummfilm (1925)
WDR Sinfonieorchester
Leitung: Tito Cecherini
© WDR 3, Studio Neue Musik, 20.6.2021