Musiktipps

„symphony.live“ Was kann das Streamingportal für symphonische Musik?

Von Max Nyffeler. Durch Corona begünstigt entstand mit symphony.live ein neues Streamingportal, das symphonische Musik mit Hintergrundwissen und Kritiker-Runden verbindet. Es bewahrt, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht mehr leistet.

Als Musikgeschichtslehrer an der Hochschule habe er das Storytelling gelernt, sagt Rob Overman. Da die Studenten ihre Zeit lieber mit Instrumentalspiel verbringen wollten, habe er, um den ungeliebten Geschichtsunterricht attraktiver zu machen, sich etwas einfallen lassen müssen. Nach einer Karriere als Orchester­manager in Holland und Programmchef des kanadischen Klassikanbieters Stingray Classica gründete er 2021 mit dem holländischen Medienunternehmer Henk Bout das Streamingportal symphony.live. Der Dritte im Bunde ist der Marketingspezialist Jose Evers, der seine bei Heineken Bier und der Champions League erworbene Expertise in das Unternehmen einbringt.

Seit vorigem Herbst ist das Portal online – ein wagemutiger Schritt ins Neuland zwischen den bestehenden, ähnlich gelagerten Unternehmen und einem Gratiskanal wie Youtube. Doch Overman schwört auf sein Konzept, und das hebt sich in der Tat ab. Denn Symphony konzentriert sich auf Livekonzerte mit internationalen Spitzenorchestern und ihrem Repertoire. Dazu kommt, was Overman Storytelling nennt. Die wöchentlich erscheinenden Konzertaufnahmen werden ergänzt durch Interviews mit Dirigenten, Musikern und Publikum, Backstage-Reportagen und Charakterisierung der Werke, manchmal mit Hinweisen auf die Geschichte des Orchesters oder des Konzertsaals. Nach dem Konzert folgt eine Kritikerrunde, in der Fachleute diskutieren. Alles in allem ist das bestes Bildungsfernsehen – eigentlich eine Domäne der Öffentlich-Rechtlichen, doch die haben dafür offenbar keinen Platz mehr.



© FAZ, Feuilleton, Bühne und Konzert, 29.12.2022

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