SZ: Corona und Konzerte“ Im Büro muss man keine Flammenwerfer installieren können“.

Nicolai Sabottka macht Special Effects unter anderem für „Rammstein“ und „Kiss“. Ein Gespräch über Corona und die vernichtenden Folgen für die Menschen im Konzertgeschäft. Interview von Jakob Biazza

Das war es wohl auch mit dem Konzertjahr 2021. Die großen Festivals: abgesagt. Kleine Hallen und Clubs: weiterhin geschlossen. Frustrierend für die Fans. Und für die Livebranche. Die ganze Infrastruktur, die Shows überhaupt erst möglich macht, von der Veranstalterin über den Lichttechniker, die Toningenieurin bis zum Caterer und Stagehand? „Da ist das längst existenzbedrohend. Finanziell sowieso, aber auch sozial – teilweise auch körperlich“, sagt Nicolai Sabottka, seit einem Vierteljahrhundert ist er Produktionsleiter bei den aufwendigen Rammstein-Tourneen, inzwischen aber auch Chef von FFP, einer Firma für Special Effects und Pyrotechnik. Freelancer mitgerechnet beschäftigt Sabottka rund 100 Mitarbeiter in Berlin und Los Angeles. Wenn es irgendwo auf den großen Bühnen auf der Welt brennen soll, stehen die Chancen gut, dass Sabottka und sein Team das entworfen und aufgebaut haben. Nun liegt alles brach – die Rammstein-Stadiontour durch die USA wurde schon letztes Jahr bis auf Weiteres verschoben. Sabottka hat nun im vergangenen Jahr mit Kollegen in den USA die „Touring Professionals Alliance“ gegründet, ein Netzwerk für Menschen im Tour-Geschäft. Es will bei Anträgen für Finanzhilfen helfen, bei Versicherungsfragen, bei Suchtproblemen. Inzwischen verteilt man aber auch Essen an die, die es sich anders nicht mehr leisten können. Vor allem in den USA sind das inzwischen einige.

SZ: Herr Sabottka, vergangene Woche kam die Botschaft: Alle großen Festivals sind abgesagt. Das Konzertjahr 2021 ist wohl Geschichte.

Nicolai Sabottka: Und damit fällt uns das zweite Jahr in Folge komplett aus, das wird nun einigen leider final das Genick brechen.

Wie war Ihre erste Reaktion?

Schon ein bisschen routinierter als vor einem Jahr – und realistischer. Es gibt eine Mail von mir vom vergangenen März, da habe ich einem Kollegen noch geschrieben: „Keine Sorge, in sechs Wochen redet keine mehr von Corona, außer er meint schlechtes mexikanisches Bier.“ Ich dachte, das geht schnell vorbei. Aber es wurde immer schlimmer – und auf einmal war alles dicht.

© Süddeutsche Zeitung, Kultur, 16.3.2021

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