SZ-Klassikkolumne: Mehr davon! / Musik mit Emanuel Ax & Yo-Yo Ma, Aris-Quartett und Metamorphosen Berlin.
Für Musiker ist Beethoven immer aktuell und herausfordernd. Aber manchmal darf es dann auch Neueres sein, von Gerald Resch oder Erkki-Sven Tüür. Von Harald Eggebrecht.
Beethoven, der Mann aus Bonn, der es in Wien zum Kompositionsgroßmeister brachte, hat keine Jubeljahre nötig, seine Musik ist immer inspirierend, irritierend, verblüffend, überraschend und, wenn gut gespielt, frisch wie am Tag der Erfindung. An seinen Stücken wollen sich Weltstars wie Newcomer immer wieder messen, reiben und bewähren.
Erkki-Sven Tüür gehört zu den herausragenden Komponisten der Gegenwart. Ihm geht es um Prozesse, die sich hochdramatisch auftürmen oder Pianissimo-Irritationen verfolgen können. Tüür hat einmal zum Vergleich auf das Meeresufer hingewiesen, man sehe die Formen des Sandes unter Wasser oder die Wasseroberfläche in ständiger Bewegung und von den Mustern der Sonne durchwebt. Die CD „Lost Prayers“ versammelt vier unterschiedliche Kammermusiken.
Das Kammerensemble Metamorphosen Berlin unter Leitung und solistischer Mitwirkung des glänzenden Cellisten Wolfgang Emanuel Schmidt zeigt auf seiner CD „Very British“, wie geistreich, schwelgerisch, rhythmisch witzig und klangopulent Musik von Elgar, Britten, Peter Warlock (1894 – 1930) oder Karl Jenkins, geboren 1944, wirkt. Das klingt unbedingt nach mehr!
© Süddeutsche Zeitung, Kultur, Musik, 19.7.2021