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The Free Jazz Collective Musiktipp: Johannes Bauer, Michael Griener, Olaf Rupp – Aufsturz scatterArchive

Von Martin Schray. Es ist immer toll, wenn unerwartete Aufnahmen deiner Lieblingsmusiker auftauchen – in diesem Fall des ewig unterschätzten Schlagzeugers Michael Griener, des großartigen Olaf Rupp (müsste ich meinen Lieblingsgitarristen in der heutigen Improvisationsszene wählen, wäre er es) und des Posaunisten Johannes Bauer, der viel zu jung verstorben ist und der der lebende Beweis dafür war, dass Free Jazz swingen kann.

Wenn man sich diese Live-Aufnahme aus dem Berliner Aufsturz Club von 2007 anhört, schüttelt man ungläubig den Kopf und fragt sich, warum diese Musik damals nicht veröffentlicht wurde. Die Antwort ist jedoch relativ einfach: Die Musiker organisierten diesen Auftritt, um ein Demoband zu haben, das sie an Veranstalter schicken konnten. Die einfache Stereoaufnahme wies einige technische Mängel auf, die erst jetzt mit moderner Studiotechnik korrigiert werden konnten. Endlich, nach dem Mastering durch Olaf Rupp, ist sie in guter Klangqualität erhältlich – und das Ergebnis ist geradezu sensationell.

Ein langer Ton eröffnet „Aufsturz“, den ersten Track, und schon zu Beginn wird fast alles dargelegt, was einen in den folgenden 40 Minuten erwartet. Eine kraftvolle Welle umhüllt einen und raubt einem den Atem. Man hat das Gefühl, man könnte die Kreativität buchstäblich greifen: Percussion, die blitzschnell hin und her schießt, Maschinengewehrfeuer, Gitarren-Glissandi und abgehackte Läufe, die akzentuierte Posaune, die sowohl die Funktion des Basses als auch eines melodiführenden Blasinstruments übernimmt. Dunkles Grollen wechselt sich mit hellen, scharfen Klängen ab. Man weiß nicht, wo man zuerst hinhören soll, weil man von einem Extrem zum anderen gerissen wird. Scheinbar totales Chaos (aber natürlich hat die Band die volle Kontrolle). Free Jazz in der europäischen Tradition, wie aus einem Bilderbuch. Es macht großen Spaß zu spüren, wie die feurige Improvisation des Openers den ganzen Körper durchdringt. Der Klang schwillt an wie ein Tsunami und schreit wie ein Gewitter, bevor das Stück wieder abebbt.

In einem schönen Artikel vor einigen Jahren behauptete die große deutsche Zeitung DIE ZEIT, dass Olaf Rupp Gitarre spielt, wie es nur Olaf Rupp kann. Aber das hat seinen Preis, heißt es in dem Artikel, denn er passt in keine Schublade. Aber geht es nicht genau darum? Seine rasanten Läufe und splitternden Klänge, seine Flageolet-Ströme, sein dröhnendes Feedback und sein insgesamt knochentrockener Sound tragen diese Aufnahme. Und sie passt zu Johannes Bauers knarrendem, knurrendem Horn, diesen funkelnden, sprudelnden Tönen, die Klänge dehnen und komprimieren, die zugleich real und unwirklich sind. Wer glaubt, dass Grieners Schlagzeug das Ganze zusammenhält, irrt sich. Ganz im Gegenteil: Sein Stil, der an einen hyperaktiven Paul Lovens erinnert, neigt dazu, alles auseinanderzureißen. Gleichzeitig lenkt er jedoch gekonnt die Dynamik der Improvisation. Und natürlich haben sie sich, wie es sich für Profis gehört, das Beste für den Schluss aufgehoben. Das 14-minütige „Türsturz“ klingt wie eine Mischung aus wilden Sonic Youth, Derek Bailey, Jimi Hendrix, dem New York Art Quartet und einer Destillation von Brötzmanns „Machine Gun“. Man lässt sich leicht von dieser Naturgewalt mitreißen.

© The Free Jazz Collective, 1.5.2026, Alle Texte: Martin Schray.

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