Release Tipps

The Power of Free Jazz: Hyperentasis + Queloues idées d’un vert

A. Sakata + G. Di Domenico + G. Damianidis + P. Damianidis + A.Škorić + P. Nilssen-Love + T. Yamamot: Hyperentasis // Toc & Jean-Luc Guionnet – Queloues idées d’un vert.

Ein weiterer Teil meiner Free-Jazz-Reihe, in der es mit „hochexplosivem Stoff” weitergeht. Es gibt auch eine Gemeinsamkeit zwischen den beiden Veröffentlichungen. Bei beiden sind E-Gitarristen mit dabei und diese sind das „Salz in der Suppe“.

Der mittlerweile über 80-jährige japanische Saxofonist ist hier mit zwei Konzertmitschnitten vertreten, einer davon stammt von seiner Sakata-80-Geburtstagstour. Es ist mehr als erstaunlich, wie fit Akira Sakata hier noch spielt und mithalten und „singen“ kann. Alle Achtung! Interessant zu hören sind die Unterschiede, die die beiden verschiedenen Besetzungen ausmachen. Das gilt insbesondere für die Besetzung mit Paal Nilssen-Love und Tatsuhisa Yamamoto am Schlagzeug. Überhaupt lässt das Geburtstags Set mehr Raum für alle Musiker, was vor allem Giovanni Di Domenico am Klavier sehr gerne nutzt. Das waren glückliche Besucher, die bei diesen Konzerten dabei sein konnten. Ich verneige mich vor Akira Sakata.
Das Trio Toc gibt es schon sehr lange und es lädt sich immer wieder Gäste ein. Für dieses Konzert haben sie Jean-Luc Guionnet eingeladen. Er ist Saxophonist, Organist, Komponist und bildender Künstler sowie ein wichtiger Partner mit offenem Geist im europäischen Jazz. Auch wenn dieser Mitschnitt nur ca. 33 Minuten dauert, so bietet er doch alles, was Free Jazz ausmacht. Das Trio ist der hochenergetische Antreiber für Jean-Luc Guionnets Saxofonstimme. Dessen Höhenflüge sind atemberaubend stark, vor allem Peter Orins am Schlagzeug treibt ihn immer wieder an. Das ist hochexplosiver Free Jazz!

A. Sakata + G. Di Domenico + G. Damianidis + P. Damianidis + A.Škorić + P. Nilssen-Love + T. Yamamot: Hyperentasis / Defkaz

Hyperentasis ist eine Doppel-LP, die die einzigartige Verbindung zwischen dem legendären Saxophonisten Akira Sakata und der Stadt Thessaloniki feiert. Thessaloniki, Heimat von Defkaz Records und Geburtsort der Damianidis-Brüder, hat Sakata unzählige Male willkommen geheißen. Diese Veröffentlichung enthält zwei seiner wegweisenden Auftritte als Bandleader in der Stadt.

Die erste LP präsentiert die Gruppe Entasis mit Giovanni Di Domenico (Klavier), Giotis Damianidis (E-Gitarre), Petros Damianidis (Kontrabass) und Aleksandar Škorić (Schlagzeug). Aufgenommen am 27. März 2023 im Duende Upstairs, ist es eine psychedelische Free-Jazz-Reise, auf der sich Sakatas melodische Saxophonlinien und Di Domenicos unverwechselbare Klaviermuster nahtlos mit der atmosphärischen Gitarre von Damianidis und einer starken Bass-Schlagzeug-Grundlage verweben.

Die zweite LP dokumentiert die Tournee 2025 zu Ehren des 80. Geburtstags von Akira Sakata. Aufgenommen am 29. Januar 2025 im Club Omilos und präsentiert vom Duende Jazz Club, vereint Sakata 80 zwei kraftvolle Schlagzeuger – den Norweger Paal Nilssen-Love und den Japaner Tatsuhisa Yamamoto – zusammen mit den Damianidis-Brüdern zu einem elektrisierenden Quintett um den unaufhaltsamen Sakata. Die Musik wechselt zwischen intensiven, dicht gepackten Höhepunkten und unvorhersehbaren, organischen Erkundungen, wobei die Energie der Schlagzeuger von massiver Kraft bis zu subtilen perkussiven Nuancen reicht und die Performance zu ihrem endgültigen Ziel treibt: „Hyperentasis”. © Texte: Liner Notes

Toc & Jean-Luc Guionnet – Queloues idées d’un ver / Circum-Disc

Seit über fünfzehn Jahren verfolgt Toc – das in Lille ansässige Trio, bestehend aus Jérémie Ternoy (Fender Rhodes, Klavierbass), Ivann Cruz (Gitarre) und Peter Orins (Schlagzeug) – eine einzigartige klangliche Suche, in der die Energien des experimentellen Rock, die Unvorhersehbarkeit improvisierter Musik und ein ständiger Drang nach Überfluss aufeinandertreffen.
Für dieses neue Album, das im März 2024 live aufgenommen wurde, lud die Gruppe den Saxophonisten, Organisten, Komponisten und bildenden Künstler Jean-Luc Guionnet ein, eine zentrale Figur der experimentellen und improvisierten Musik im südlichen Europa. Er hat sich in einem breiten Spektrum von Kontexten hervorgetan – von Free Jazz mit Hubbub bis hin zu Projekten für Muzzix, neben seinen elektroakustischen Erkundungen und radiophonen Werken, und bei diesem Gastauftritt hören wir ihn am Saxophon.
Ich habe mir diese Live-Aufnahme nun einige Male angehört und finde, dass es vor allem Guionnets Saxophonspiel ist, das mir besonders im Gedächtnis bleibt. Er ist ein ausgezeichneter Free-Jazz-Saxophonist, der fest in den Traditionen von John Coltrane, Albert Ayler und ihren Mitstreitern aus den 1960er Jahren verwurzelt ist. Aber sein Spiel mit dem Trio Tuc zu vermischen, ist eine spannende und gute Idee. Das Saxophonspiel mit den Traditionen, die in den Tönen und Improvisationen liegen, ist vielen ähnlich, die sich in der heutigen Jazzszene in derselben Landschaft bewegen, und mit dem experimentellen und gut funktionierenden Trio wird dies zu einer interessanten Angelegenheit.
Wir begegnen einem spannenden Trio, das Guionnet bei fast allem, was er tut, begleitet. Und das Trio ist originell, vielleicht vor allem wegen Orins Schlagzeugspiel, das im Klangbild des Trios weit vorne liegt. Dann schaffen Ternoy und Cruz eine Grundlage, auf der Guionnet fast alles machen kann, was er will.
Eine freie und freche Veröffentlichung mit einem spannenden Saxophonisten und einem Trio, das ihm bis zur Tür folgt. Ein Stück von gut 33 Minuten, in dem sie ganz leise beginnen, sich dann bis zur Ekstase hocharbeiten, wieder zurücknehmen und mit spannendem Free Jazz „abkühlen”. © Texte: Liner Notes

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