„Ubu Roi – König Ubu“ von Alfred Jarry (2 Teile)
„Wiener“ Fassung von H. C. Artmann. Mit „König Ubu“ schuf der Avantgardist Alfred Jarry vor Dada und Surrealismus 1896 eine mythische Gestalt in einer Welt grotesker, archetypischer Bilder …
Der Skandalerfolg des Werks beruhte vor allem darauf, dass er auf eine traditionelle Handlungsführung verzichtete und eine bewusst obszöne Sprache mit absurden Elementen vermischte. Ubu wurde zum Inbegriff des bornierten, opportunistischen Spießers. Mit beißender Ironie geißelt Jarry die Scheinmoral und stellt jede Art politischer und sozialer Macht in Frage. Der von niedrigsten Instinkten und höchster Machtgier besessene Bürger mutiert zum Bürgerschreck, als sich seine Gemeinheit gegen das einfache Volk richtet. Das Stück strotzt vor literarischen Anspielungen und Parodien − vor allem auf Shakespeare-Figuren. Kein Wunder, dass es den österreichischen Schriftsteller H. C. Artmann reizte, das fast 100 Jahre alte, aber nach wie vor moderne Werk in eine neue deutsche bzw. „Wiener“ Fassung zu übertragen. „Im Wiener Dialekt ertönt das Stück schnarrend vital, erklingt auch nicht einfach als goutierbare Exotik, sondern jetzt kommt die blutig-gemütliche Vulgarität des Textes und die monströse Grobheit des französischen Stilgestus überhaupt erst richtig heraus,“ meint Jörg Drews.
Teil 1:
Teil 2:
Ubu Roi – König Ubu (2/2)
Von Alfred Jarry
„Wiener“ Fassung von H. C. Artmann
Komposition: Heinz Karl Gruber
Bearbeitung und Regie: Heinz Hostnig
BR/NDR/ORF 1990
© Bayern2, Hörspiel, 05/06.2023 // archive.org
Alfred Jarry (1873−1907), französischer Schriftsteller. Ab 1894 Veröffentlichung von Lyrik, Prosa und Dramen. 1896 Uraufführung von „Ubu Roi“. Werke unter anderem „Tage und Nächte“ (1897), „Die absolute Liebe“ (1899), „Messalina“ (1901), „Der Supermann“ (1902), „Die Dragonerin“ (unvollendet).
Hans Carl Artmann (1921−2000). Ab den späten 1950er Jahren Mitglied der „Wiener Gruppe“. Prosa, Lyrik, Übersetzungen. Preise unter anderem Großer Österreichischer Staatspreis (1974), Salzburger Literaturpreis (1991), Georg-Büchner-Preis (1997). Hörspiele unter anderem „Am wunderschönen Flusse Pruth oder des Zaren Dach“ (SDR/RB 1971), „Die ungläubige Columbina“ (SDR 1971), „Interior Fotografico“ (SDR 1971), „Erlaubent Schas, sehr heiß bitte“ (SDR 1971), „Die Schwalbe“ (SDR 1973), „Kein Pfeffer für Czermak“ (ORF 1988), „Das Geheimnis des Werwolfs“ (WDR 2005), „Dracula Dracula − Ein transsylvanisches Abenteuer“ (WDR 2006).